Ayurveda und Yogatherapie bei Erschöpfung

Vor einigen Jahren wurde im Ayurveda vor allem über Verdauung, Ernährung oder die verschiedenen Doshas gesprochen. Heute rückt ein anderes Thema immer stärker in den Mittelpunkt: chronische Erschöpfung.
Vielleicht kennst du das auch aus deinem Umfeld oder sogar von dir selbst. Menschen schlafen ausreichend, ernähren sich bewusst und bewegen sich regelmäßig. Trotzdem fühlen sie sich dauerhaft müde, unkonzentriert oder innerlich getrieben. Die Ursachen dafür sind oft komplex und lassen sich nicht auf einen einzelnen Laborwert oder eine Diagnose reduzieren.
Genau darüber habe ich mit der Ärztin, Ayurvedamedizinerin und Yogatherapeutin Dr. med. Wiebke Mohme gesprochen. In unserem Gespräch wird deutlich, warum es sich lohnt, Erschöpfung nicht nur als Symptom zu betrachten, sondern den Menschen als Ganzes in den Blick zu nehmen.
🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music
Erschöpfung beginnt oft lange vor dem Burnout
Viele verbinden Burnout mit einem plötzlichen Zusammenbruch. In der Praxis entwickelt sich dieser Zustand jedoch häufig über einen längeren Zeitraum.
Dr. Wiebke Mohme beschreibt einen einfachen, aber wichtigen Hinweis, auf den sie in ihrer Praxis besonders achtet: Wie geht es einem Menschen morgens nach dem Aufstehen? Und wie fühlt er sich nach einer Pause oder einem freien Wochenende?
Kann sich der Körper in diesen Ruhephasen noch erholen, oder bleibt die Erschöpfung bestehen? Genau diese Fragen können erste Hinweise darauf geben, dass die eigenen Regenerationsmechanismen nicht mehr ausreichend greifen.
Ayurveda fragt nicht zuerst nach der Diagnose
Die moderne Medizin sucht verständlicherweise nach einer möglichst präzisen Diagnose. Ayurveda stellt zunächst eine andere Frage:
Was braucht dieser Mensch im Moment?
Dabei spielen die bekannten Konstitutionstypen – Vata, Pitta und Kapha – eine wichtige Rolle. Sie beschreiben jedoch keine Schubladen, in die Menschen eingeordnet werden. Vielmehr helfen sie dabei, individuelle Muster zu erkennen und therapeutische Entscheidungen besser an die jeweilige Person anzupassen.
Genau deshalb gibt es aus ayurvedischer Sicht auch keine allgemeingültige Yogapraxis für Erschöpfung. Was einer Person guttut, kann für eine andere zu viel sein.
Yoga wird dann therapeutisch, wenn es individuell wird
Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch unser Gespräch.
Yoga ist nicht allein deshalb therapeutisch, weil Asanas oder Atemübungen praktiziert werden. Entscheidend ist vielmehr, ob sie zur aktuellen Situation des Menschen passen.
Dr. Wiebke Mohme beschreibt, dass sie ihre Empfehlungen immer an die individuelle Konstitution und den aktuellen Zustand ihrer Patientinnen und Patienten anpasst. Das betrifft nicht nur die Auswahl der Asanas, sondern ebenso Atemtechniken, Entspannungsverfahren und den Umgang mit Belastung im Alltag.
Gerade bei chronischer Erschöpfung oder auch bei ADHS können Atemübungen sehr hilfreich sein. Allerdings gilt auch hier: Nicht jede Pranayama-Technik ist für jede Person und jede Situation gleichermaßen geeignet. Entscheidend ist die sorgfältige Auswahl.
Ayurveda und Schulmedizin schließen sich nicht aus
Ein besonders spannender Aspekt unseres Gesprächs ist der berufliche Weg von Dr. Wiebke Mohme.
Als Allgemeinmedizinerin hat sie viele Jahre in einer kassenärztlichen Praxis gearbeitet. Mit der Zeit wurde ihr jedoch immer deutlicher, dass die Kombination aus Schulmedizin, Ayurveda und Yogatherapie im engen Praxisalltag nur schwer umzusetzen ist. Heute arbeitet sie ausschließlich privatärztlich und verbindet diese verschiedenen Perspektiven bewusst miteinander.
Dabei geht es nicht darum, eine medizinische Richtung gegen eine andere auszuspielen.
Im Gegenteil.
Die Schulmedizin liefert wichtige diagnostische Grundlagen. Ayurveda erweitert den Blick auf den Menschen und seine individuellen Ressourcen. Yogatherapie bietet schließlich praktische Möglichkeiten, dieses Wissen in den Alltag zu übertragen.
Gerade diese Verbindung macht das Gespräch so interessant.
Was wir aus diesem Gespräch mitnehmen können
Chronische Erschöpfung ist selten nur die Folge von zu viel Arbeit oder zu wenig Schlaf.
Häufig spielen viele Faktoren zusammen: Belastung, Regeneration, Lebensstil, Atmung, Bewegung und die individuelle Konstitution.
Deshalb lohnt es sich, nicht vorschnell nach der einen Methode oder der einen Übung zu suchen.
Vielleicht ist zunächst eine andere Frage hilfreicher:
Was braucht mein Körper gerade wirklich?
Genau diese Haltung verbindet moderne Medizin, Ayurveda und Yogatherapie auf eine sehr überzeugende Weise. Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen und individuelle Lösungen zu finden, statt sich auf allgemeine Empfehlungen zu verlassen.
Wenn dich diese Fragen interessieren und du erfahren möchtest, wie Dr. med. Wiebke Mohme chronische Erschöpfung, Burnout, ADHS und die Bedeutung der Doshas in ihrer täglichen Praxis einordnet, dann höre unbedingt in diese Podcastfolge von Yogatherapie bewegt hinein. Dort spricht sie ausführlich darüber, wie sich unterschiedliche medizinische Perspektiven sinnvoll ergänzen können und warum der Mensch immer wichtiger ist als die Methode.
🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music
Wenn du mehr zu Wiebke erfahren möchtest: https://ayurmed-yoga.de/
Kennst du meinen kostenloser Newsletter? Jetzt anmelden


