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Wenn eine Methode nicht reicht

  • Autorenbild: Dr. Peter Poeckh
    Dr. Peter Poeckh
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Was therapeutisches Denken mit Offenheit zu tun hat


Wer im Gesundheitsbereich arbeitet, beschäftigt sich jeden Tag mit der Gesundheit anderer Menschen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass genügend Zeit für die eigene Gesundheit bleibt.

Im Gegenteil.


Mein Gespräch mit der Anästhesistin und Schmerzmedizinerin Dr. Elisabeth Gaudernak beginnt genau mit diesem scheinbaren Widerspruch. Sie beschreibt ihre Jahre in Anästhesie und Intensivmedizin als eine Zeit, in der sie vor allem funktioniert hat.


Lange Arbeitstage, hohe Verantwortung, viel Konzentration und wenig Bewegung gehörten dazu.

Irgendwann meldete sich ihr eigener Körper.


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Wenn der Körper nicht mehr einfach mitmacht

Rückenbeschwerden waren für Elisabeth ein Anlass, etwas zu verändern.

Yoga kam zunächst als persönliche Praxis in ihr Leben. Sie interessierte sich allerdings nicht nur dafür, dass es ihr guttat. Sie wollte verstehen, warum.


Das führte schließlich zu einer Yogalehrerausbildung und zu einer intensiveren Beschäftigung mit Anatomie. Darin steckt ein Gedanke, den ich für therapeutisches Arbeiten grundsätzlich wichtig finde: Eine Methode wird besonders interessant, wenn wir nicht nur fragen, ob sie funktioniert.

Sondern auch: Was bewirkt sie bei diesem Menschen? Und warum könnte sie gerade hier sinnvoll sein?


Bewegung muss nicht eineinhalb Stunden dauern

Eine der praktischen Aussagen unseres Gesprächs betrifft ein Problem, das wahrscheinlich viele kennen: Zeit.


Wenn von Yoga oder Bewegung die Rede ist, entsteht schnell die Vorstellung einer vollständigen Praxis. Vielleicht 60 oder 90 Minuten, am besten mehrmals pro Woche.

Wenn dafür keine Zeit vorhanden ist, passiert häufig gar nichts.

Elisabeth sieht das wesentlich pragmatischer.


Regelmäßige Bewegung kann auch bedeuten, ein oder zwei Bewegungen in den Alltag einzubauen. Spaziergänge, Stiegensteigen oder einige Minuten Bewegung zwischendurch können bereits Möglichkeiten sein, überhaupt wieder Bewegung entstehen zu lassen.

Gerade für Menschen, die viel sitzen, kann diese Perspektive hilfreich sein.


Yoga funktioniert auch auf einem Stuhl

Im Gespräch zeigt Elisabeth eine ihrer bevorzugten Bewegungen: sogenannte Sufi-Kreise.

Dabei sitzt man aufrecht und bewegt den Oberkörper kreisförmig. Die Wirbelsäule wird dabei in unterschiedliche Richtungen bewegt. Je nach körperlichen Möglichkeiten können die Hände auf den Oberschenkeln abgestützt werden.


Das Interessante daran ist für mich weniger die einzelne Übung.

Interessant ist das Prinzip dahinter.


Viele Menschen verbringen einen großen Teil des Tages in relativ ähnlichen Positionen. Bewegung muss dann nicht sofort kompliziert oder intensiv werden. Manchmal kann es sinnvoll sein, zunächst wieder Variabilität hineinzubringen.


Elisabeth arbeitet deshalb auch mit älteren Schmerzpatient:innen, die ihre Yogapraxis teilweise vollständig auf dem Stuhl durchführen.


Yoga muss also nicht daran scheitern, dass jemand nicht auf den Boden kommt.

Die Praxis darf sich an den Menschen anpassen.


Atmung als Verbindung zwischen unwillkürlichen und bewussten Prozessen

Ein weiterer Aspekt, den Elisabeth am Yoga schätzt, ist die Atmung.

Wir müssen uns im Alltag nicht bewusst darum kümmern, jeden Atemzug auszulösen. Gleichzeitig können wir unsere Atmung bewusst verändern.


Genau diese Besonderheit macht Atemtechniken für sie interessant.

Über Pranayama lässt sich die Atmung gezielt gestalten. Elisabeth beschreibt dies als eine Möglichkeit, auch auf das vegetative Nervensystem einzuwirken.


An dieser Stelle entsteht in ihrer Arbeit eine eher ungewöhnliche Verbindung: die zur Aromatherapie.


Warum ein Geruch so schnell Erinnerungen wecken kann

Vielleicht kennst du das selbst.

Du riechst etwas und bist gedanklich plötzlich wieder an einem ganz anderen Ort.

Ein bestimmtes Essen erinnert dich an deine Kindheit. Lavendel vielleicht an einen Kleiderschrank oder an die Großmutter.


Elisabeth beschäftigt sich intensiv mit ätherischen Ölen und erklärt im Gespräch, dass Gerüche eng mit Emotionen und Erinnerungen verbunden sein können.

Dabei ist die Reaktion individuell.


Ein Duft, den ein Mensch mit Geborgenheit verbindet, kann bei einem anderen völlig andere Erinnerungen hervorrufen. Deshalb ist für Elisabeth eine sehr einfache Frage wichtig:

Wie reagiert der Mensch überhaupt auf diesen Geruch?

Das ist eigentlich ein schönes Beispiel für therapeutisches Denken.

Nicht der Duft allein entscheidet.

Der Mensch, der ihn wahrnimmt, gehört immer dazu.


Aromatherapie ist mehr als angenehmer Geruch

Der für mich überraschendste Teil unseres Gesprächs beginnt dort, wo Elisabeth von sogenannten Aromatogrammen erzählt.


Sie beschreibt das Prinzip in Anlehnung an ein Antibiogramm: Ein mikrobiologischer Abstrich wird auf einen Nährboden aufgebracht. Anschließend wird geprüft, ob bestimmte ätherische Öle das Wachstum des betreffenden Keims hemmen.


Elisabeth berichtet von einem jungen Intensivpatienten, der nach einem schweren Unfall mit multiresistenten Keimen aus einem ausländischen Krankenhaus übernommen wurde. Laut ihrer Schilderung zeigte die Untersuchung damals kein wirksames Antibiotikum.

Daraufhin schlug sie vor, ein Aromatogramm durchführen zu lassen.


Nach ihrer Darstellung zeigten mehrere ätherische Öle eine Wirkung gegen die untersuchten Keime. Auf Grundlage dieses Ergebnisses stellte sie entsprechende Rezepturen zusammen und berichtet, dass die Keime anschließend nicht mehr nachweisbar waren.


Das ist ein außergewöhnlicher Fallbericht aus ihrer persönlichen klinischen Erfahrung. Aus einem einzelnen Fall lässt sich natürlich keine allgemeine Therapieempfehlung ableiten.

Er zeigt aber sehr schön die Haltung, die sich durch unser gesamtes Gespräch zieht: Wenn eine etablierte Methode an ihre Grenzen kommt, kann es sinnvoll sein, offen zu bleiben und weitere Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen.


Ergänzen statt gegeneinander ausspielen

Vielleicht ist das die wichtigste Verbindung zwischen Elisabeths unterschiedlichen Interessen.

Akupunktur, Neuraltherapie, manuelle Medizin, Yoga und Aromatherapie sind für sie keine Argumente gegen klassische Medizin.


Sie betrachtet sie als mögliche Ergänzungen.

Das bedeutet nicht, jede alternative Methode unkritisch einzusetzen. Gerade ätherische Öle beschreibt Elisabeth als potente Substanzen, bei denen Dosierung, Qualität, Alter und individuelle Voraussetzungen berücksichtigt werden müssen. Von einer unverdünnten Anwendung ohne entsprechende Kenntnisse rät sie im Gespräch ausdrücklich ab.


Offenheit und Sorgfalt gehören also zusammen.


Gute Therapie beginnt mit einer anderen Frage

Wir suchen häufig nach der Methode, die funktioniert.

Vielleicht ist die hilfreichere Frage aber:

Was braucht dieser Mensch in dieser Situation?

Manchmal kann das eine klassische medizinische Behandlung sein.

Manchmal Bewegung.

Manchmal eine Atemtechnik.

Und manchmal kann eine ergänzende Methode einen zusätzlichen Zugang eröffnen.

Nicht die Methode sollte im Mittelpunkt stehen.

Sondern der Mensch.



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Wenn du dich für die Yogatherapie interessierst, dann sind vielleicht meine Yogatherapie Grundlagen der ideale Einstieg.


 
 
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