Yoga verändert sich und das ist vielleicht das Beste daran
- Dr. Peter Poeckh

- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Vielleicht kennst du das.
Du beginnst mit Yoga, weil dein Körper schmerzt. Oder weil du beweglicher werden möchtest. Mit der Zeit werden die Bewegungen leichter, die Praxis intensiver und das Verständnis wächst.
Doch irgendwann verändert sich etwas.
Nicht unbedingt dein Körper.
Sondern dein Blick auf Yoga.
Genau darüber habe ich mit Axel Dinse gesprochen, einem der ersten Ashtanga-Yogalehrer Österreichs und einem Menschen, der den Aufbau der Yogaszene im deutschsprachigen Raum von Beginn an mitgestaltet hat. Sein Weg zeigt, dass eine gute Yogapraxis nicht dadurch entsteht, dass wir immer mehr erreichen. Sondern dadurch, dass wir lernen, genauer hinzusehen.
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Als Yoga noch Pionierarbeit war
Heute gibt es Yogastudios an fast jeder Ecke. Vor mehr als 30 Jahren war das anders.
Wer Ashtanga Yoga lernen wollte, musste improvisieren. Workshops im Ausland, Fotos aus Büchern und gemeinsames Ausprobieren waren oft die einzigen Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen. Aus dieser Begeisterung entstand schließlich eines der ersten Ashtanga-Studios in Wien.
Rückblickend beschreibt Axel diese Zeit als experimentell.
Nicht alles war wissenschaftlich fundiert.
Vieles entstand aus Erfahrung.
Und genau deshalb ist es spannend zu sehen, wie sich sein Verständnis im Laufe der Jahre verändert hat.
Erfahrung verändert den Unterricht
Wer viele Menschen unterrichtet, lernt nicht nur etwas über sie. Man lernt auch etwas über sich selbst.
Axel erzählt, dass ihn besonders die manuellen Hilfestellungen fasziniert haben. Er merkte, wie kleine, gezielte Berührungen Menschen helfen konnten, eine Bewegung besser zu verstehen. Gleichzeitig erkannte er aber auch die Grenzen dieser Methode.
Heute unterscheidet er sehr klar zwischen zwei Arten von Hilfestellungen.
Es gibt sanfte Impulse, die Orientierung geben und das Körpergefühl unterstützen.
Und es gibt Korrekturen, die den Körper in Positionen bringen sollen, für die er vielleicht noch gar nicht bereit ist.
Genau hier beginnt aus meiner Sicht therapeutisches Denken.
Nicht die Frage, wie eine Asana aussehen sollte, steht im Mittelpunkt.
Sondern die Frage, was dieser Mensch in diesem Moment wirklich braucht.
Anatomische Grenzen sind keine Schwäche
Viele Menschen verbinden Yoga mit dem Gedanken, die eigenen Grenzen zu erweitern.
Das kann durchaus sinnvoll sein.
Allerdings bedeutet Entwicklung nicht, anatomische Grenzen zu ignorieren.
Axel spricht im Gespräch sehr offen darüber, dass er sich selbst verletzt hat. Nicht, weil Yoga grundsätzlich gefährlich wäre, sondern weil er – geprägt durch seine Vergangenheit als Leistungssportler – immer wieder über seine körperlichen Möglichkeiten hinausging. Auch manche
manuelle Korrekturen, die damals üblich waren, betrachtet er heute deutlich kritischer.
Diese Offenheit finde ich bemerkenswert.
Sie zeigt, dass Erfahrung oft bedeutet, lieb gewonnene Überzeugungen zu hinterfragen.
Mehr ist nicht immer besser
Ein weiterer Gedanke aus unserem Gespräch hat mich besonders beschäftigt.
Nach vielen Jahren intensiver Asana-Praxis begann Axel wieder mit Ausdauersport. Dadurch wurde er nach eigener Aussage zwar etwas weniger beweglich, fühlte sich insgesamt aber stabiler und wohler. Er beschreibt, dass ihn die ausschließliche Konzentration auf Asanas körperlich nicht dauerhaft ausgeglichen gemacht hat. Erst die Kombination verschiedener Bewegungsformen brachte für ihn mehr Balance.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Yoga nicht ausreicht.
Es zeigt vielmehr, dass Bewegung individuell ist.
Je nach Lebensphase, Ziel und körperlichen Voraussetzungen kann etwas anderes sinnvoll werden.
Yoga darf sich mit dir weiterentwickeln
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus diesem Gespräch.
Yoga ist kein starres System.
Es ist eine Praxis, die sich gemeinsam mit uns verändern darf.
Mit mehr Erfahrung verändern sich die Fragen.
Aus „Wie komme ich tiefer in die Haltung?“ wird vielleicht „Welche Bewegung tut meinem Körper heute wirklich gut?“
Und genau diese Frage führt häufig zu nachhaltigeren Entscheidungen als der Versuch, immer weiter an Grenzen zu gehen.
Wenn dich diese Gedanken interessieren und du mehr über die Entwicklung des Yoga, anatomische Grenzen und die Erfahrungen von Axel Dinse erfahren möchtest, dann hör dir die vollständige Podcastfolge an. Ich bin sicher, dass du viele Anregungen für deine eigene Praxis und vielleicht auch für deinen Unterricht mitnehmen wirst.
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Wenn du mehr zu Axel erfahren möchtest: https://www.urbanhealthconcept.com/
Wenn du dich für die Yogatherapie interessierst, dann sind vielleicht meine Yogatherapie Grundlagen der ideale Einstieg.


