Selbstwert statt Perfektion
- Dr. Peter Poeckh

- vor 8 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Was wir von Barbra Noh lernen können
„Alles ist perfekt, so wie es ist, auch wenn du das gerade nicht sehen kannst.“
In der aktuellen Folge von Yogatherapie bewegt spreche ich mit Barbra Noh über einen Weg, der viele Facetten hat und gleichzeitig für viele Menschen überraschend nahbar ist.
Denn auch wenn Barbra heute zu den bekanntesten Yoga-Lehrerinnen im deutschsprachigen Raum zählt, beginnt ihre Geschichte ganz woanders.
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Zwischen Leistung und Selbstzweifel
Barbra wuchs in Australien auf, in einer koreanischen Kampfsportfamilie. Disziplin, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen waren von Anfang an Teil ihres Lebens. Später führte sie ihr Weg in den professionellen Tanz. Ballett, eine Welt, die stark von Perfektion geprägt ist. Eine Welt, in der Bewertung zum Alltag gehört.
Und genau dort begann ein innerer Konflikt.
Nicht gut genug zu sein. Sich ständig vergleichen zu müssen. Sich selbst immer wieder kritisch zu hinterfragen. Ein Gefühl, das viele kennen, auch weit außerhalb der Tanzwelt.
Warum sie zum Yoga gekommen ist
Interessant ist, dass Barbra nicht wegen der körperlichen Praxis zum Yoga gefunden hat.
Nicht wegen Beweglichkeit. Nicht wegen Fitness. Und auch nicht, weil sie einen neuen Beruf gesucht hat.
Sondern aus einem ganz einfachen Gedanken heraus:
„Ich möchte nicht mein ganzes Leben so verbringen, dass ich mich schlecht fühle.“
Yoga wurde für sie zu einem Zugang, um sich selbst anders zu erleben. Nach den ersten Stunden waren es oft nur wenige Momente, in denen plötzlich Ruhe da war. Ein Gefühl, dass alles gerade so in Ordnung ist. Genau dort hat sich etwas verändert.
Vom Außen ins Innen
Ein entscheidender Unterschied zum Tanz war für sie der fehlende Spiegel. Im Yoga ging es plötzlich nicht mehr darum, wie etwas aussieht. Sondern darum, wie es sich anfühlt.
Diese Verschiebung vom Außen ins Innen hat nicht nur ihre Praxis verändert, sondern auch ihre Arbeit als Lehrerin.
Ihr Ziel ist heute klar: Menschen dabei zu unterstützen, eine freundlichere Beziehung zu ihrem eigenen Körper aufzubauen.
Der Umgang mit Bewertung
Ein zentrales Thema im Gespräch ist Bewertung. Bewertung von außen, durch andere. Und Bewertung von innen, durch die eigene Stimme. Barbra beschreibt sehr klar, dass beide Ebenen zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken können.
Der Weg daraus ist kein schneller.
Aber er beginnt oft damit, diese Muster überhaupt zu erkennen.
Zwei neue Hüften und trotzdem Yoga
Ein besonders eindrucksvoller Teil ihrer Geschichte ist ihre körperliche Entwicklung. Mit 36 Jahren wurde ihr bereits geraten, beide Hüften operieren zu lassen. Für viele wäre das ein harter Einschnitt gewesen.
Sie hat sich damals dagegen entschieden und konnte die Operation durch ihre Praxis viele Jahre hinauszögern. Erst 16 Jahre später hat sie sich schließlich operieren lassen.
Heute lebt und praktiziert sie mit zwei neue Hüften, schmerzfrei und mit einer neuen Perspektive auf ihren Körper.
Was sie dabei sehr ehrlich anspricht:
Es war nicht einfach.
Und es war auch ein Prozess, das für sich anzunehmen.
Aber rückblickend sagt sie klar: Diese Entscheidung hat ihr Lebensqualität zurückgegeben.
Was Yoga wirklich bedeutet
Für Barbra geht es im Yoga nicht um Perfektion. Und auch nicht darum, immer besser zu werden.
Sondern darum, sich selbst zu verstehen. Zu erkennen, wann man sich antreibt. Und wann es vielleicht sinnvoller wäre, loszulassen.
Diese Balance beschreibt sie selbst als ihre Lebensaufgabe.
Mein Fazit
Dieses Gespräch zeigt sehr deutlich, dass Yoga nicht nur auf der Matte stattfindet.
Es geht um Selbstwert. Um den Umgang mit Druck. Und um die Frage, wie wir mit uns selbst sprechen.
Barbras Geschichte ist kein perfekter Weg. Aber genau das macht sie so wertvoll.
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