Yoga ohne Ausweichen
- Dr. Peter Poeckh

- 1. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Was wir über Emotionen wirklich lernen können
„Es geht nicht darum, Gefühle zu vermeiden, sondern ehrlich mit ihnen umzugehen.“
In der aktuellen Folge von Yogatherapie bewegt spreche ich mit Moritz Ulrich über ein Thema, das im Yoga oft unterschätzt wird: den Umgang mit unangenehmen Emotionen.
Denn während viele Yoga mit Ruhe, Entspannung und Ausgleich verbinden, zeigt dieses Gespräch eine andere Seite. Eine ehrlichere.
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Der Einstieg ins Yoga – ganz anders als erwartet
Moritz kam schon sehr früh mit Yoga in Kontakt, allerdings nicht über die körperliche Praxis.
Sein Zugang war zunächst philosophisch.Fragen nach Sinn, nach Bewusstsein und nach Dingen, die sich nicht sofort erklären lassen. Die Asanas kamen erst später.
Und genau das prägt bis heute seinen Zugang.
Yoga ist nicht immer angenehm
Ein spannender Punkt im Gespräch ist die Rolle von Herausforderung im Yoga. Im Jivamukti Yoga wird bewusst mit Elementen gearbeitet, die viele nicht sofort mit Yoga verbinden:
laute Musik
intensive Praxis
körperliche Anstrengung
emotionale Reaktionen
Warum?
Weil genau das eine Vorbereitung auf den Alltag sein kann. Nicht in einer stillen, perfekten Umgebung ruhig zu bleiben, ist einfach, aber mitten im Leben, mit Reizen von außen, den eigenen Zustand zu halten, ist die eigentliche Herausforderung.
Was ist Spiritual Bypassing?
Ein zentraler Begriff im Gespräch ist Spiritual Bypassing.
Gemeint ist damit, dass wir Spiritualität nutzen, um unangenehmen Gefühlen auszuweichen.
Typische Beispiele sind:
„Ich bin darüber schon hinaus“
„Das betrifft mich nicht mehr“
„Ich bin schon im höheren Bewusstsein“
Das Problem dabei ist nicht die Spiritualität selbst, sondern die Funktion, die sie übernimmt. Sie wird zu einer Art Schutzmechanismus. Anstatt sich mit Wut, Angst oder Zweifel auseinanderzusetzen, werden diese Gefühle „schön verpackt“ und zur Seite geschoben.
Warum das langfristig nicht funktioniert
Moritz beschreibt sehr klar, dass dieser Weg zwar kurzfristig angenehm sein kann, langfristig aber nicht weiterführt. Denn das, was nicht angeschaut wird, bleibt bestehen. Vielleicht ruhiger, vielleicht versteckter, aber es verschwindet nicht. Deshalb ist für ihn ein wichtiger Teil der Praxis:
Hinsehen statt ausweichen.
Der Umgang mit eigenen Emotionen
Spannend ist auch, wie Moritz selbst damit umgeht. Er beschreibt sich als jemand, der Gefühle durchaus direkt zeigt.Aber gleichzeitig auch schnell wieder loslassen kann.
Was ihm dabei hilft:
Emotionen bewusst wahrnehmen
sie durch den Körper durchlaufen lassen
Situationen im Nachhinein reflektieren
neue Reaktionen gedanklich durchspielen
Ein Ansatz, der sehr praxisnah ist und zeigt, dass es nicht um „perfekte Gelassenheit“ geht, ondern um einen bewussten Umgang.
Yoga als Weg – nicht als Ausrede
Ein wichtiger Gedanke aus dem Gespräch:
Yoga kann ein Werkzeug sein, um sich selbst besser zu verstehen. Oder eine Möglichkeit, sich selbst auszuweichen. Der Unterschied liegt in der Intention. Warum übe ich? Was möchte ich wirklich vermeiden oder erreichen? Diese Fragen sind oft entscheidender als die Praxis selbst.
Mein Fazit
Dieses Gespräch zeigt sehr deutlich, dass Yoga nicht nur aus ruhigen Momenten besteht. Sondern auch aus Reibung. Aus Emotionen. Und aus ehrlicher Auseinandersetzung. Vielleicht ist genau das der Teil, der oft fehlt.
Nicht nur zur Ruhe kommen. Sondern auch lernen, mit dem Unangenehmen umzugehen.
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