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- Wie Yogatherapie die Körperhaltung verändern kann
Kann sich ein ausgeprägter Rundrücken auch nach dem 50. Lebensjahr noch verbessern? Und wie viel Einfluss haben wir selbst auf unsere Haltung, wenn sich bestimmte Bewegungsmuster über Jahrzehnte eingeschlichen haben? Christine Varriale ist heute 68 Jahre alt. Als sie 2015 an einer meiner ersten Yogatherapie-Ausbildungen teilnahm, hatte sie bereits einen deutlichen Rundrücken und eine Skoliose, also eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule. Ihre Beweglichkeit war eingeschränkt, die Brustwirbelsäule kaum beweglich und auch die Atmung beeinträchtigt. Heute berichtet Christine von einer deutlich verbesserten Aufrichtung, einer freieren Atmung und einem völlig veränderten Körpergefühl. Ihre Entwicklung ist ein interessantes Beispiel dafür, was durch gezielte Bewegung, Körperwahrnehmung und jahrelange Übungspraxis möglich sein kann. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Warum klassische Yogaübungen nicht für jeden Körper geeignet sind Christine hatte bereits viele Jahre Yoga praktiziert, bevor sie zur Yogatherapie kam. Doch irgendwann bemerkte sie, dass sie mit bestimmten Übungen nicht weiterkam. Anspruchsvolle Positionen wie Kopfstand oder Skorpion waren für sie kaum erreichbar. Das eigentliche Problem lag aber nicht darin, dass sie diese Positionen nicht beherrschte. Vielmehr fehlte die individuelle Anpassung an ihre körperlichen Voraussetzungen. Genau hier unterscheidet sich der yogatherapeutische Ansatz von einer rein auf bestimmte Körperhaltungen ausgerichteten Yogapraxis. Wir fragen zuerst, welche Bewegungen ein Mensch ausführen kann, welche Einschränkungen bestehen und welche Strukturen Unterstützung benötigen. Bei Christine war vor allem die Brustwirbelsäule betroffen. Durch ihren ausgeprägten Rundrücken konnte sie sich kaum aus diesem Bereich aufrichten. Versuchte sie es trotzdem, wich sie unbewusst in andere Körperregionen aus. Sie verstärkte beispielsweise ihr Hohlkreuz oder überstreckte die Halswirbelsäule. Solche Ausweichbewegungen sind häufig zu beobachten. Wenn ein Abschnitt der Wirbelsäule wenig beweglich ist, übernehmen andere Bereiche einen Teil der Bewegung. Dadurch können zusätzliche Spannungen und Beschwerden entstehen. Wie Faszien und gezielte Bewegung die Aufrichtung unterstützen können Ein wesentlicher Teil von Christines Übungspraxis bestand darin, sich intensiv mit ihren Faszien auseinanderzusetzen. Faszien sind bindegewebige Strukturen, die unter anderem Muskeln umhüllen und Kräfte zwischen verschiedenen Körperregionen übertragen. Christine begann ganz bewusst bei ihren Fußsohlen. Während sie morgens ihren Cappuccino trank, bearbeitete sie ihre Fußsohlen mit einem Golfball. Später bezog sie die Beine, das Gesäß und den Rücken in ihre Übungen ein. Dabei hatte sie an den Füßen ursprünglich gar keine Beschwerden. Ihr Gedanke war, den Körper als zusammenhängendes Bewegungssystem zu betrachten und schrittweise an verschiedenen Spannungsbereichen zu arbeiten. Über die Jahre nahm sie Veränderungen wahr, die weit über die ursprünglich bearbeiteten Körperregionen hinausgingen. Besonders im Nacken und in der Brustwirbelsäule empfand sie eine zunehmende Entspannung und Beweglichkeit. Aus therapeutischer Sicht ist dabei wichtig: Nicht jede Einschränkung lässt sich durch Faszienarbeit verbessern. Auch muskuläre Kraft, Gelenkbeweglichkeit, die individuelle Anatomie und das Nervensystem spielen eine Rolle. Entscheidend ist, herauszufinden, welche Maßnahmen für den jeweiligen Menschen sinnvoll sind. Was die Brustwirbelsäule mit unserer Atmung zu tun hat Eine besonders interessante Veränderung beschreibt Christine beim Atmen. Durch ihren Rundrücken und die Skoliose war die Beweglichkeit ihres Brustkorbs eingeschränkt. Auch die Zwischenrippenmuskulatur und das Zwerchfell, unser wichtigster Atemmuskel, waren für sie ein Thema. Die Brustwirbelsäule und die Rippen bilden eine funktionelle Einheit. Wenn wir einatmen, muss sich der Brustkorb ausdehnen können. Eingeschränkte Beweglichkeit kann diese Bewegung erschweren. Christine arbeitete deshalb gezielt an der Aufrichtung, der Rotation ihrer Brustwirbelsäule und den unterschiedlich ausgeprägten Spannungen auf beiden Körperseiten. Heute kann sie nach eigener Aussage wesentlich tiefer einatmen und länger ausatmen als früher. Das bedeutet nicht, dass sich jede Skoliose durch Yoga korrigieren lässt. Strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule sind individuell unterschiedlich ausgeprägt. Dennoch können sich Beweglichkeit, muskuläre Kontrolle und Atemgefühl durch geeignete Übungen verbessern. Warum 15 bis 20 Minuten täglich einen Unterschied machen können Vielleicht ist der interessanteste Teil von Christines Geschichte gar nicht eine bestimmte Übung, sondern ihre Konsequenz. Seit über zehn Jahren beschäftigt sie sich regelmäßig mit ihren körperlichen Einschränkungen. Meistens übt sie zu Hause etwa 15 bis 20 Minuten. Manchmal mehr, manchmal weniger. Wenn sie auf Reisen ist, ersetzt sie ihre gewohnte Praxis beispielsweise durch ausgedehnte Spaziergänge und bewusstes aufrechtes Gehen. Ihre Übungen haben einen festen Platz im Alltag gefunden. Ähnlich wie das tägliche Zähneputzen. Auch Wartezeiten an der U-Bahn nutzte sie früher, um ihre Haltung bewusst zu überprüfen und sich neu auszurichten. Bewegungen, auf die sie anfangs besonders achten musste, wurden mit der Zeit zunehmend selbstverständlich. Dahinter steckt ein wichtiger Gedanke: Unser Nervensystem lernt durch Wiederholung. Wenn wir Bewegungen regelmäßig und bewusst ausführen, können sich neue Bewegungsgewohnheiten entwickeln. Dabei geht es nicht darum, ständig eine vermeintlich perfekte Körperhaltung einzunehmen. Unser Körper braucht unterschiedliche Positionen und Bewegungen. Viel wichtiger ist die Fähigkeit, die eigene Haltung wahrzunehmen und bei Bedarf verändern zu können. Wenn aus eigener Erfahrung Hilfe für andere wird Besonders freut mich, dass Christine ihr Wissen heute weitergibt. Seit mehreren Jahren unterrichtet sie ehrenamtlich Yoga beim Hilfswerk in Wien. Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind unterschiedlich alt und haben teilweise erhebliche finanzielle oder persönliche Herausforderungen. Im Mittelpunkt ihrer Stunden stehen einfache Atemübungen, sanfte Mobilisation, Gleichgewichtstraining und Entspannung. Bei Gleichgewichtsübungen bietet sie beispielsweise verschiedene Schwierigkeitsstufen an. Wer Unterstützung benötigt, kann sich an einer Säule festhalten. Christine berichtet von Menschen, die sich durch die regelmäßige Bewegung beim Gehen sicherer fühlen oder besser entspannen können. Gerade hier wird deutlich, dass Yogatherapie nicht von besonders anspruchsvollen Körperpositionen lebt. Eine einfache, individuell angepasste Übung kann für jemanden mit eingeschränkter Beweglichkeit wesentlich sinnvoller sein als eine komplizierte Asana. Ist es irgendwann zu spät, die eigene Haltung zu verändern? Christine ist heute 68 Jahre alt und beschäftigt sich nach wie vor mit ihrer Beweglichkeit. Auch nach mehr als zehn Jahren nimmt sie weitere Veränderungen wahr. Ihre Geschichte ist kein Beweis dafür, dass sich jede Fehlhaltung vollständig korrigieren lässt. Dafür sind die körperlichen Voraussetzungen zu unterschiedlich. Sie zeigt aber, dass Alter allein kein Grund sein muss, bestehende Einschränkungen einfach hinzunehmen. Für mich liegt darin eine wesentliche Aufgabe der Yogatherapie: Den eigenen Körper verstehen lernen, Bewegungsmöglichkeiten erkennen und schrittweise daran arbeiten. Dazu braucht es nicht unbedingt besonders schwierige Übungen. Oft beginnt die Veränderung damit, wieder genauer hinzuspüren und regelmäßig etwas für die eigene Beweglichkeit zu tun. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du auch mit Yogatherapie beginnen möchtest möchtest: Meine Yogatherapie Grundlagen
- Yoga muss sich deinem Körper anpassen, nicht umgekehrt
Wie oft versuchst du in einer Yogaübung, eine bestimmte Form zu erreichen? Der Fuß soll genau dort stehen. Das Becken soll in eine bestimmte Richtung zeigen. Die Wirbelsäule soll möglichst weit in die Rückbeuge kommen. Und vielleicht schaust du dabei sogar auf die Person neben dir und denkst: So müsste es bei mir eigentlich auch aussehen. Genau hier lohnt es sich, genauer hinzusehen. Denn eine Asana ist keine Form, in die wir jeden Körper hineinpressen sollten. Entscheidend ist vielmehr die Frage: Was braucht dieser Körper, damit die Bewegung sinnvoll, kontrolliert und passend ausgeführt werden kann? Darüber habe ich in der neuen Folge von Yogatherapie bewegt mit der Physiotherapeutin und Yogalehrerin Lilla Wuttich gesprochen. Sie verbindet Physiotherapie, Spiraldynamik und Yoga und vertritt einen Gedanken sehr klar: Yoga sollte sich an der Anatomie orientieren, nicht die Anatomie am Yoga. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Anatomie bedeutet nicht, möglichst viele Muskeln auswendig zu lernen Wer eine medizinische oder therapeutische Ausbildung gemacht hat, kennt vermutlich diese Art des Lernens: Ursprung, Ansatz, Funktion, Knochenpunkte, Bänder und Gelenke. Dieses Wissen hat natürlich seinen Platz. Aber es beantwortet noch lange nicht die entscheidende Frage: Was bedeutet das für Bewegung? Lilla beschreibt im Gespräch sehr schön, dass ihr eine grundlegende anatomische Orientierung wichtig ist. Wir sollten beispielsweise wissen, wo sich Kreuzbein, Becken oder bestimmte Gelenke befinden. Entscheidender als jedes Detail ist für sie aber das funktionelle Verständnis: Was passiert im Körper, wenn wir eine Bewegung ausführen? Welche Strukturen arbeiten zusammen? Wo entsteht Stabilität? Und wo weicht der Körper vielleicht aus? Das ist auch für mich ein zentraler Gedanke in der Yogatherapie. Anatomie wird nicht dadurch interessant, dass wir möglichst viele Strukturen benennen können. Sie wird interessant, wenn sie uns hilft, Bewegung besser zu verstehen. Die Asana ist nicht das Ziel Gerade im Yoga entsteht manchmal der Eindruck, eine Haltung habe eine ideale Form. Dann versuchen wir, den Körper dieser Vorstellung anzupassen. Lilla erzählt im Gespräch von einer Erfahrung in einem Yogastudio, die schließlich zu einem ihrer wichtigsten Grundsätze geführt hat. Sie sollte dort Anatomie so vermitteln, dass sie besser zum unterrichteten Yogastil passte. Für sie war die Reihenfolge genau falsch. Denn unser Körper funktioniert nach anatomischen und biomechanischen Prinzipien. Natürlich gibt es individuelle Unterschiede. Trotzdem können wir diese Prinzipien nicht verändern, nur damit eine bestimmte Vorstellung einer Asana weiterhin funktioniert. Das bedeutet allerdings nicht, dass es nur eine einzige „richtige“ Ausführung geben kann. Im Gegenteil. Gerade wenn Menschen unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, muss sich auch die Ausführung verändern können. Wann ist ein Hohlkreuz wirklich ein Hohlkreuz? Ein gutes Beispiel dafür ist die Lendenwirbelsäule. Unsere Wirbelsäule ist natürlicherweise gekrümmt. Eine Lordose, also die Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne, gehört deshalb zunächst zu einer normalen Wirbelsäulenform. Die interessantere Frage lautet: Wie viel Krümmung ist sinnvoll? Lilla beobachtet, dass ein ausgeprägtes Hohlkreuz im Yoga manchmal mit dem Hinweis auf die „natürliche Lordose“ erklärt wird. Doch damit ist noch nicht beantwortet, ob das Becken tatsächlich sinnvoll ausgerichtet ist. In der Spiraldynamik orientiert sie sich unter anderem an der Stellung des Kreuzbeins und an der Vorderseite des Hüftgelenks. Ist das Kreuzbein relativ aufgerichtet, kann das ein Hinweis darauf sein, dass auch das Becken gut aufgerichtet ist. Kippt die Kreuzbeinbasis stärker nach vorne, muss sich die darüberliegende Wirbelsäule entsprechend anpassen und die Lordose kann deutlicher werden. Auch die Leiste und die Position des vorderen Darmbeinstachels im Verhältnis zum Oberschenkel nutzt Lilla als äußere Orientierung. Dabei geht es nicht um eine starre Messung, sondern darum, die eigene Haltung genauer beobachten zu lernen. Und genau das finde ich spannend: Anatomie wird plötzlich nicht mehr zu theoretischem Wissen. Sie wird sichtbar und spürbar. Hypermobil oder eher steif? Die gleiche Yogaübung kann etwas völlig anderes brauchen Besonders deutlich wird das bei zwei Menschen, deren körperliche Voraussetzungen kaum unterschiedlicher sein könnten. Der eine ist sehr beweglich und kommt problemlos tief in viele Asanas. Der andere fühlt sich dagegen fast überall steif. Auf den ersten Blick könnte man daraus schließen: Der bewegliche Mensch braucht Yoga, um seine Beweglichkeit zu genießen, der steife Mensch muss einfach mehr dehnen. So einfach ist es allerdings nicht. Lilla betont im Gespräch, dass hypermobile Menschen häufig gerade Kräftigung und Stabilität benötigen. Gleichzeitig spielt die Ausrichtung sowohl bei sehr beweglichen als auch bei eher steifen Menschen eine wichtige Rolle. Sie beschreibt dabei ein schönes Bild aus der Spiraldynamik. Wenn du ein Handtuch auswringst, entsteht Spannung und Festigkeit. Drehst du es wieder auf, wird es beweglicher. Ähnlich beschreibt sie die Verschraubung im Körper: Eine gute Ausrichtung kann einem hypermobilen Menschen mehr Stabilität geben. Bei einem eher steifen Menschen kann dieselbe gute Organisation dem Körper dagegen Sicherheit vermitteln und dadurch Bewegung freigeben. Deshalb beantwortet sie auch die Frage nach geeigneten und ungeeigneten Asanas nicht mit einer Liste. Für sie steht die Ausführung im Vordergrund. Eine Haltung lässt sich häufig so verändern, dass unterschiedliche Menschen etwas Sinnvolles daraus mitnehmen können. Genau darin liegt für mich ein wichtiger Unterschied zwischen einer rein formorientierten und einer therapeutischen Yogapraxis. Warum Rückbeugen nicht automatisch die beste Antwort auf Rückenschmerzen sind Ein weiteres Beispiel aus unserem Gespräch betrifft Rücken-Yoga. Rückbeugen sind dort weit verbreitet. Das kann durchaus sinnvoll sein. Lilla beobachtet allerdings, dass gerade bei Menschen mit Rückenproblemen die Ausrichtung in Rückbeugen nicht immer ausreichend berücksichtigt wird. Dann entsteht die Bewegung womöglich vor allem dort, wo ohnehin schon viel Beweglichkeit vorhanden ist, beispielsweise in der Lendenwirbelsäule, während die Brustwirbelsäule vergleichsweise steif bleibt. Für Rückenbeschwerden arbeitet sie deshalb besonders gerne mit Rotationen beziehungsweise Twists. Ihr Gedanke dahinter: Wird die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule besser genutzt, müssen Lenden- und Halswirbelsäule weniger kompensieren. Auch hier geht es nicht darum, Rückbeugen durch Twists zu ersetzen. Die entscheidende Frage ist wieder eine andere: Wo braucht dieser Mensch gerade mehr Bewegung – und wo vielleicht mehr Kontrolle? Vielleicht brauchen wir weniger Ehrgeiz und mehr Forschergeist Gegen Ende unseres Gesprächs habe ich Lilla gefragt, welche eine Botschaft sie der Yoga-Welt gerne mitgeben würde. Ihre Antwort passt eigentlich zu allem, worüber wir vorher gesprochen hatten. Weniger Ehrgeiz. Mehr Neugier. Den eigenen Körper spielerisch erkunden, Erfahrungen sammeln und beobachten, was sich verändert. Nicht unbedingt genauso weit kommen wollen wie die Person auf der Matte nebenan. Ich glaube, genau darin steckt ein wesentlicher Gedanke der Yogatherapie. Eine gute Yogapraxis entsteht nicht dadurch, dass eine Haltung von außen perfekt aussieht. Sie entsteht, wenn wir beginnen zu verstehen, warum wir etwas tun, wie unser Körper darauf reagiert und was wir in diesem Moment tatsächlich brauchen. Dann wird Anatomie nicht zu einem Regelwerk. Sie wird zu einer Möglichkeit, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Und vielleicht verändert sich dadurch auch unser Yoga: weg vom Erreichen einer Form und hin zu einer Praxis, in der Wahrnehmung, Funktion und Individualität wieder mehr Platz bekommen. Im vollständigen Gespräch mit Lilla Wuttich sprechen wir außerdem über ihre Erfahrungen mit Spiraldynamik, die Ausbildung in der Physiotherapie, Yoga im Alter und die Frage, welche Rolle die Epigenetik künftig für unser Verständnis von Gesundheit spielen könnte. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du mit Yoga-Anatomie durchstarten möchtest: Meine Yoga-Anatomie Ausbildung Mehr über Lilla Wuttich findest du unter www.lillawuttich.de.
- Beckenboden verstehen, warum Anspannen allein nicht reicht
Beim Beckenboden denken viele zuerst an Kräftigung. Anspannen, halten, wieder loslassen. Und wenn Beschwerden auftreten, scheint die Lösung naheliegend: Der Beckenboden ist zu schwach und muss trainiert werden. Das kann durchaus stimmen. Allerdings gibt es noch eine zweite Möglichkeit, über die deutlich weniger gesprochen wird: Ein Beckenboden kann auch zu viel Spannung haben. Und manchmal kann er sogar gleichzeitig angespannt und funktionell zu schwach sein. Genau deshalb lohnt es sich, den Beckenboden nicht einfach nur zu trainieren, sondern ihn zunächst besser zu verstehen. Darüber habe ich in meinem Podcast Yogatherapie bewegt mit Christina Stolavetz gesprochen. Christina ist Beckenboden-Fachfrau, Achtsamkeitslehrerin, Yogalehrerin und Ernährungstrainerin. Besonders interessant fand ich an unserem Gespräch, wie stark beim Beckenboden Wahrnehmung, Atmung, Spannung und Entspannung zusammenspielen. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Der Beckenboden ist keine einzelne Fläche, die wir einfach anspannen Wenn wir vom Beckenboden sprechen, entsteht schnell die Vorstellung einer einzelnen Muskelschicht am unteren Ende unseres Rumpfes. Anatomisch ist es etwas differenzierter. Christina beschreibt im Gespräch drei muskuläre Schichten, die zwar miteinander verbunden sind, sich mit etwas Übung aber unterschiedlich wahrnehmen und ansteuern lassen. Der Beckenboden spannt sich vereinfacht gesagt zwischen Sitzbeinhöckern, Schambein und Steißbein auf. Allein diese Vorstellung verändert bereits etwas. Denn häufig versuchen wir, den Beckenboden mit möglichst viel Kraft anzuspannen. Dabei ist die eigentliche Bewegung teilweise sehr fein. Christina verwendet dafür ein schönes Bild: Stell dir zwischen deinen beiden Sitzbeinhöckern ein Gummiband vor, das die Sitzbeinhöcker ganz leicht zueinander zieht. Dabei sollte nicht gleich die gesamte Gesäßmuskulatur kräftig mitarbeiten. Es geht vielmehr darum, diese feine Bewegung überhaupt erst wahrnehmen zu lernen. Und genau hier sehe ich eine wichtige Parallele zur Yogatherapie: Bevor wir versuchen, eine Struktur zu verändern, sollten wir sie erst einmal spüren und ihre Funktion verstehen. Zu schwach oder zu angespannt? Eine Schwäche des Beckenbodens kann sich beispielsweise durch Inkontinenz oder ein diffuses Gefühl von Instabilität bemerkbar machen. Christina beschreibt im Gespräch, dass solche Beschwerden unter anderem nach Geburten auftreten können, aber auch unabhängig davon vorkommen. Auch rund um die Wechseljahre kann das Thema stärker in den Vordergrund treten. Doch nicht jedes Beckenbodenproblem ist automatisch eine Schwäche. Bei einem zu angespannten Beckenboden können sich ganz andere Hinweise zeigen. Christina nennt beispielsweise Schwierigkeiten beim Loslassen auf der Toilette, Probleme beim Stuhlgang, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder ein dauerhaft starres und verspanntes Gefühl im Becken- und Hüftbereich. Das führt zu einer entscheidenden Frage: Braucht dieser Beckenboden tatsächlich mehr Kraft oder müsste er zunächst wieder lernen, Spannung loszulassen? Diese Unterscheidung ist wichtig. Denn wenn ein Muskel bereits ständig unter hoher Spannung steht, ist noch mehr Anspannung nicht zwangsläufig die sinnvollste Antwort. Warum dein Kiefer etwas mit deinem Beckenboden zu tun haben kann Einer der spannendsten Momente unseres Gesprächs war für mich die Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden. Christina beschreibt, dass Kiefer und Beckenboden miteinander verbunden sind und dass auch Nacken, Schulterbereich und sogar die Füße in diese Betrachtung einbezogen werden können. Wir haben das während des Gesprächs direkt ausprobiert. Beckenboden möglichst locker lassen. Anschließend die Zähne aufeinanderbeißen, den Kiefer kräftig anspannen und beobachten, was im restlichen Körper passiert. Bei mir war die Reaktion unmittelbar spürbar. Plötzlich entstand das Gefühl, als würde sich eine ganze Kette mit anspannen. Das ist für die Yogapraxis interessant. Wenn jemand Schwierigkeiten hat, den Beckenboden zu entspannen, müssen wir möglicherweise nicht ausschließlich dort ansetzen. Es kann sich ebenso lohnen, wahrzunehmen, was im Kiefer, im Nacken, in den Schultern oder in anderen Bereichen des Körpers geschieht. Der Körper arbeitet eben selten in isolierten Einzelteilen. Der Beckenboden bewegt sich mit deiner Atmung Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang bei der Atmung. Der Beckenboden und das Zwerchfell bewegen sich im Zusammenspiel miteinander. Christina erklärt es im Gespräch so: Bei der Einatmung senkt sich das Zwerchfell, und auch im Bereich des Beckenbodens entsteht eine Bewegung nach unten und in die Weite. Beim Ausatmen bewegt sich das Zwerchfell wieder nach oben und der Beckenboden folgt dieser Bewegung ein Stück weit. Der interessante Punkt dabei: Der Beckenboden bewegt sich mit jedem Atemzug. Wir müssen also nicht ständig bewusst etwas „machen“. Gerade wenn es um Entspannung geht, kann die Wahrnehmung der Atmung ein sinnvoller Zugang sein. Christina beschreibt, dass die Aktivierung häufig leichter mit der Ausatmung gelingt, während das Loslassen durch die Einatmung unterstützt werden kann. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, warum Anatomie im Yoga hilfreich sein kann. Nicht, damit wir möglichst viele Muskeln benennen können. Sondern weil wir dadurch besser verstehen, warum sich eine bestimmte Bewegung oder Atemführung sinnvoll anfühlen kann. Was bedeutet das für die Asana-Praxis? Natürlich können wir den Beckenboden auch bewusst in unsere Yogapraxis integrieren. Christina beschreibt im Gespräch beispielsweise den Krieger 1. Wenn in der Bewegung mehr Stabilität gefragt ist, kann der Beckenboden bereits vor beziehungsweise während der Bewegung bewusst aktiviert werden. Die Ausatmung kann diese Aktivierung unterstützen. Entscheidend ist für mich allerdings nicht diese eine konkrete Asana. Interessanter ist das Prinzip dahinter: Aktivieren, wenn Stabilität gebraucht wird. Loslassen, wenn Spannung nicht mehr notwendig ist. Ein funktioneller Beckenboden sollte nicht einfach möglichst kräftig sein. Er sollte auf unterschiedliche Situationen reagieren können. Das kennen wir auch von anderen Muskeln. Ein kräftiger Bizeps, der permanent maximal angespannt wäre und nicht mehr loslassen könnte, wäre im Alltag wenig hilfreich. Warum sollten wir beim Beckenboden also ausschließlich über Anspannung sprechen? Wahrnehmung kommt vor Kräftigung Vielleicht liegt genau hier eine der wichtigsten Erkenntnisse für die Yogapraxis. Bevor wir uns fragen, wie wir den Beckenboden kräftigen können, sollten wir zunächst herausfinden, was er überhaupt braucht. Kann ich ihn bewusst wahrnehmen? Kann ich Spannung aufbauen? Kann ich diese Spannung anschließend wieder reduzieren? Was geschieht dabei mit meiner Atmung? Und spanne ich vielleicht gleichzeitig Gesäß, Bauch, Kiefer oder Schultern unnötig mit an? Christina betont im Gespräch, dass ein aufbauendes Beckenbodentraining zunächst dabei helfen kann, überhaupt ein feineres Gespür für diese Muskelgruppe zu entwickeln. Erst dann lässt sich die Aktivierung sinnvoll in Yoga-Haltungen integrieren. Das gefällt mir als Ansatz sehr gut. Denn therapeutisches Yoga beginnt für mich nicht damit, möglichst viele Übungen zu kennen. Es beginnt mit Beobachtung. Auch Anspannung hat einen Grund Am Ende unseres Gesprächs hat Christina noch einen Gedanken angesprochen, den ich besonders wichtig finde. Wenn wir merken, dass unser Körper irgendwo ständig festhält, möchten wir diese Spannung meist möglichst schnell loswerden. Doch Christina betrachtet Anspannung zunächst als etwas, das auch eine Schutzfunktion haben kann. Statt gegen sie anzukämpfen, können wir versuchen zu verstehen, warum der Körper gerade festhält, und ihm über Atmung, Bewegung, Meditation und Körperwahrnehmung wieder mehr Sicherheit anzubieten. Das lässt sich weit über den Beckenboden hinaus übertragen. Vielleicht ist die entscheidende Frage deshalb nicht: Wie bekomme ich diese Spannung weg? Sondern: Was braucht mein Körper, damit er diese Spannung nicht mehr festhalten muss? Genau dann verändert sich auch unsere Yogapraxis. Wir versuchen nicht mehr nur, Muskeln stärker oder beweglicher zu machen. Wir lernen wahrzunehmen, wann der Körper Stabilität braucht, wann er Spannung aufbaut und wann er wieder loslassen kann. Und der Beckenboden ist dafür ein erstaunlich gutes Beispiel. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du mehr von Christina erfahren möchtest: https://christinastolavetz.com/ Chrsitina hat übrigens bei mir die Yogahterapie Ausbildung gemacht, wenn dich das interessiert, dann sind die Yogatherapie Grundlagen der ideale Einstieg.
- Wenn eine Methode nicht reicht
Was therapeutisches Denken mit Offenheit zu tun hat Wer im Gesundheitsbereich arbeitet, beschäftigt sich jeden Tag mit der Gesundheit anderer Menschen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass genügend Zeit für die eigene Gesundheit bleibt. Im Gegenteil. Mein Gespräch mit der Anästhesistin und Schmerzmedizinerin Dr. Elisabeth Gaudernak beginnt genau mit diesem scheinbaren Widerspruch. Sie beschreibt ihre Jahre in Anästhesie und Intensivmedizin als eine Zeit, in der sie vor allem funktioniert hat. Lange Arbeitstage, hohe Verantwortung, viel Konzentration und wenig Bewegung gehörten dazu. Irgendwann meldete sich ihr eigener Körper. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn der Körper nicht mehr einfach mitmacht Rückenbeschwerden waren für Elisabeth ein Anlass, etwas zu verändern. Yoga kam zunächst als persönliche Praxis in ihr Leben. Sie interessierte sich allerdings nicht nur dafür, dass es ihr guttat. Sie wollte verstehen, warum. Das führte schließlich zu einer Yogalehrerausbildung und zu einer intensiveren Beschäftigung mit Anatomie. Darin steckt ein Gedanke, den ich für therapeutisches Arbeiten grundsätzlich wichtig finde: Eine Methode wird besonders interessant, wenn wir nicht nur fragen, ob sie funktioniert. Sondern auch: Was bewirkt sie bei diesem Menschen? Und warum könnte sie gerade hier sinnvoll sein? Bewegung muss nicht eineinhalb Stunden dauern Eine der praktischen Aussagen unseres Gesprächs betrifft ein Problem, das wahrscheinlich viele kennen: Zeit. Wenn von Yoga oder Bewegung die Rede ist, entsteht schnell die Vorstellung einer vollständigen Praxis. Vielleicht 60 oder 90 Minuten, am besten mehrmals pro Woche. Wenn dafür keine Zeit vorhanden ist, passiert häufig gar nichts. Elisabeth sieht das wesentlich pragmatischer. Regelmäßige Bewegung kann auch bedeuten, ein oder zwei Bewegungen in den Alltag einzubauen. Spaziergänge, Stiegensteigen oder einige Minuten Bewegung zwischendurch können bereits Möglichkeiten sein, überhaupt wieder Bewegung entstehen zu lassen. Gerade für Menschen, die viel sitzen, kann diese Perspektive hilfreich sein. Yoga funktioniert auch auf einem Stuhl Im Gespräch zeigt Elisabeth eine ihrer bevorzugten Bewegungen: sogenannte Sufi-Kreise. Dabei sitzt man aufrecht und bewegt den Oberkörper kreisförmig. Die Wirbelsäule wird dabei in unterschiedliche Richtungen bewegt. Je nach körperlichen Möglichkeiten können die Hände auf den Oberschenkeln abgestützt werden. Das Interessante daran ist für mich weniger die einzelne Übung. Interessant ist das Prinzip dahinter. Viele Menschen verbringen einen großen Teil des Tages in relativ ähnlichen Positionen. Bewegung muss dann nicht sofort kompliziert oder intensiv werden. Manchmal kann es sinnvoll sein, zunächst wieder Variabilität hineinzubringen. Elisabeth arbeitet deshalb auch mit älteren Schmerzpatient:innen, die ihre Yogapraxis teilweise vollständig auf dem Stuhl durchführen. Yoga muss also nicht daran scheitern, dass jemand nicht auf den Boden kommt. Die Praxis darf sich an den Menschen anpassen. Atmung als Verbindung zwischen unwillkürlichen und bewussten Prozessen Ein weiterer Aspekt, den Elisabeth am Yoga schätzt, ist die Atmung. Wir müssen uns im Alltag nicht bewusst darum kümmern, jeden Atemzug auszulösen. Gleichzeitig können wir unsere Atmung bewusst verändern. Genau diese Besonderheit macht Atemtechniken für sie interessant. Über Pranayama lässt sich die Atmung gezielt gestalten. Elisabeth beschreibt dies als eine Möglichkeit, auch auf das vegetative Nervensystem einzuwirken. An dieser Stelle entsteht in ihrer Arbeit eine eher ungewöhnliche Verbindung: die zur Aromatherapie. Warum ein Geruch so schnell Erinnerungen wecken kann Vielleicht kennst du das selbst. Du riechst etwas und bist gedanklich plötzlich wieder an einem ganz anderen Ort. Ein bestimmtes Essen erinnert dich an deine Kindheit. Lavendel vielleicht an einen Kleiderschrank oder an die Großmutter. Elisabeth beschäftigt sich intensiv mit ätherischen Ölen und erklärt im Gespräch, dass Gerüche eng mit Emotionen und Erinnerungen verbunden sein können. Dabei ist die Reaktion individuell. Ein Duft, den ein Mensch mit Geborgenheit verbindet, kann bei einem anderen völlig andere Erinnerungen hervorrufen. Deshalb ist für Elisabeth eine sehr einfache Frage wichtig: Wie reagiert der Mensch überhaupt auf diesen Geruch? Das ist eigentlich ein schönes Beispiel für therapeutisches Denken. Nicht der Duft allein entscheidet. Der Mensch, der ihn wahrnimmt, gehört immer dazu. Aromatherapie ist mehr als angenehmer Geruch Der für mich überraschendste Teil unseres Gesprächs beginnt dort, wo Elisabeth von sogenannten Aromatogrammen erzählt. Sie beschreibt das Prinzip in Anlehnung an ein Antibiogramm: Ein mikrobiologischer Abstrich wird auf einen Nährboden aufgebracht. Anschließend wird geprüft, ob bestimmte ätherische Öle das Wachstum des betreffenden Keims hemmen. Elisabeth berichtet von einem jungen Intensivpatienten, der nach einem schweren Unfall mit multiresistenten Keimen aus einem ausländischen Krankenhaus übernommen wurde. Laut ihrer Schilderung zeigte die Untersuchung damals kein wirksames Antibiotikum. Daraufhin schlug sie vor, ein Aromatogramm durchführen zu lassen. Nach ihrer Darstellung zeigten mehrere ätherische Öle eine Wirkung gegen die untersuchten Keime. Auf Grundlage dieses Ergebnisses stellte sie entsprechende Rezepturen zusammen und berichtet, dass die Keime anschließend nicht mehr nachweisbar waren. Das ist ein außergewöhnlicher Fallbericht aus ihrer persönlichen klinischen Erfahrung. Aus einem einzelnen Fall lässt sich natürlich keine allgemeine Therapieempfehlung ableiten. Er zeigt aber sehr schön die Haltung, die sich durch unser gesamtes Gespräch zieht: Wenn eine etablierte Methode an ihre Grenzen kommt, kann es sinnvoll sein, offen zu bleiben und weitere Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen. Ergänzen statt gegeneinander ausspielen Vielleicht ist das die wichtigste Verbindung zwischen Elisabeths unterschiedlichen Interessen. Akupunktur, Neuraltherapie, manuelle Medizin, Yoga und Aromatherapie sind für sie keine Argumente gegen klassische Medizin. Sie betrachtet sie als mögliche Ergänzungen. Das bedeutet nicht, jede alternative Methode unkritisch einzusetzen. Gerade ätherische Öle beschreibt Elisabeth als potente Substanzen, bei denen Dosierung, Qualität, Alter und individuelle Voraussetzungen berücksichtigt werden müssen. Von einer unverdünnten Anwendung ohne entsprechende Kenntnisse rät sie im Gespräch ausdrücklich ab. Offenheit und Sorgfalt gehören also zusammen. Gute Therapie beginnt mit einer anderen Frage Wir suchen häufig nach der Methode, die funktioniert. Vielleicht ist die hilfreichere Frage aber: Was braucht dieser Mensch in dieser Situation? Manchmal kann das eine klassische medizinische Behandlung sein. Manchmal Bewegung. Manchmal eine Atemtechnik. Und manchmal kann eine ergänzende Methode einen zusätzlichen Zugang eröffnen. Nicht die Methode sollte im Mittelpunkt stehen. Sondern der Mensch. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du dich für die Yogatherapie interessierst, dann sind vielleicht meine Yogatherapie Grundlagen der ideale Einstieg.
- Wenn Yoga zu viel wird. Zwischen Disziplin, Körpergefühl und Loslassen.
Yoga wird oft mit einem besseren Körpergefühl verbunden. Mit mehr Achtsamkeit, Selbstwahrnehmung und einem feineren Gespür für die eigenen Grenzen. Aber was passiert, wenn wir ausgerechnet beim Yoga beginnen, diese Grenzen zu übergehen? Wenn wir eine Übung halten, obwohl der Körper längst ein deutliches Signal gibt? Wenn Regeln wichtiger werden als das eigene Empfinden? Oder wenn Schmerz sogar als Zeichen dafür verstanden wird, dass eine Praxis besonders intensiv oder spirituell wirksam ist? Genau darüber habe ich mit Caroline Eder gesprochen. Sie ist Physiotherapeutin, Heilpraktikerin und Kundalini-Yoga-Lehrerin und verbindet in ihrer Arbeit zwei Perspektiven, die zunächst sehr unterschiedlich erscheinen: die körperlich-anatomische Sicht der Physiotherapie und den energetischen Ansatz des Kundalini-Yoga. Dabei geht es um eine Frage, die weit über Kundalini-Yoga hinausgeht: Wie können wir einer Methode folgen, ohne dabei den Kontakt zu unserem eigenen Körper zu verlieren? 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn Intensität wichtiger wird als der Körper Caroline praktiziert seit rund 20 Jahren Kundalini-Yoga. Dabei werden manche Übungen sehr dynamisch ausgeführt, über längere Zeit gehalten und beispielsweise mit Feueratem kombiniert. Im Laufe ihrer eigenen Praxis hat sie jedoch begonnen, genauer hinzusehen. Was passiert eigentlich mit den Gelenken? Wie ist der Körper in einer Haltung ausgerichtet? Welche Strukturen übernehmen die Belastung? Und ist mehr Intensität tatsächlich immer sinnvoll? Heute geht Caroline deshalb anders an viele Übungen heran. Sie beginnt zunächst mit der körperlichen Ebene. Eine Haltung wird aufgebaut und die Ausrichtung betrachtet. Erst wenn diese Basis stimmt, kommen weitere Elemente hinzu: Atmung, Geschwindigkeit, längeres Halten und damit auch die energetische Intensität. Ich finde diesen Gedanken auch aus yogatherapeutischer Sicht interessant. Denn eine Übung muss ihre Wirkung nicht verlieren, nur weil wir sie an einen Menschen anpassen. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Wenn der Körper nicht permanent damit beschäftigt ist, eine ungünstige Position zu kompensieren oder gegen Schmerzen anzukämpfen, entsteht möglicherweise erst der Raum, andere Aspekte der Praxis wahrzunehmen. Muss Yoga manchmal wehtun? Damit kommen wir zu einem schwierigen Thema. Denn natürlich bedeutet ein unangenehmes Gefühl nicht automatisch, dass eine Übung falsch ist. Wer eine verkürzte Struktur dehnt, kann das deutlich spüren. Wer nach längerer Zeit wieder beginnt, bestimmte Bewegungen auszuführen, kann ebenfalls an Grenzen kommen. Deshalb wäre auch die Aussage „Yoga darf niemals unangenehm sein“ zu einfach. Entscheidend ist vielmehr: Was für einen Schmerz spüre ich gerade? Warum entsteht er? Und was verändert sich, wenn ich die Bewegung oder meine Ausrichtung verändere? Caroline beschreibt im Gespräch, dass manche Menschen Schmerz in einer Yogahaltung sogar bewusst suchen, weil sie damit die Vorstellung verbinden, etwas lösen oder sich spirituell weiterentwickeln zu müssen. Diesen Gedanken sieht sie heute kritisch. Ein gutes Beispiel dafür ist die Kobra. Wer dabei Schmerzen im unteren Rücken bekommt, könnte zunächst denken: Da muss ich eben durch. Aber vielleicht lohnt sich eine andere Frage: Warum entsteht dieser Schmerz überhaupt? Caroline beobachtet beispielsweise, was passiert, wenn das Becken anders ausgerichtet, der Unterbauch aktiviert und dadurch mehr Länge im unteren Rücken geschaffen wird. Häufig verändert sich dadurch bereits das Empfinden in der Haltung. Und wenn die Ausrichtung mit zunehmender Intensität nicht mehr gehalten werden kann, geht sie wieder ein Stück aus der Position heraus. Das ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie Anatomie unsere Yogapraxis nicht einschränken muss. Sie kann uns helfen, genauer hinzuspüren. Struktur ist hilfreich – bis sie zum Selbstzweck wird Dieses Prinzip findet sich auch in Carolines persönlicher Geschichte wieder. Über viele Jahre hat sie Kundalini-Yoga sehr konsequent praktiziert. Tägliche Praxis, bestimmte Kleidung, ungeschnittene Haare, eine streng yogische Ernährung und feste Routinen gehörten zu ihrem Leben. Sie blickt auf diese Zeit keineswegs nur negativ zurück. Im Gegenteil: Die Struktur habe ihr auch Halt gegeben, und sie beschreibt ihre Dankbarkeit für vieles, was das Kundalini-Yoga in ihr in Bewegung gebracht hat. Mit der Zeit entstand jedoch ein innerer Konflikt. Persönliche Erfahrungen innerhalb ihrer Ausbildung und die bekannt gewordenen Vorwürfe gegen Yogi Bhajan führten dazu, dass sie ihre bisherige Praxis zunehmend hinterfragte. Vieles, dem sie zuvor gefolgt war, fühlte sich für sie nicht mehr stimmig an. Besonders eindrücklich fand ich einen Gedanken aus unserem Gespräch. Caroline beschreibt, dass die vielen Regeln irgendwann nicht mehr zu mehr Lebendigkeit führten. Stattdessen hatte sie zunehmend das Gefühl, wie eine „perfekte Yogini“ zu funktionieren, während ihr Menschsein zu kurz kam. Vielleicht steckt darin eine Frage, die sich jeder von uns gelegentlich stellen kann: Dient mir meine Praxis noch – oder diene inzwischen ich meiner Praxis? Yoga braucht nicht nur Struktur Spannend ist, dass Caroline Struktur keineswegs ablehnt. Als Physiotherapeutin arbeitet sie selbst mit anatomischem Wissen, Ausrichtung und klaren Prinzipien. Aber sie ergänzt diese Struktur bewusst um etwas anderes. Um Freiheit. Um Bewegung, die nicht perfekt sein muss. Um das Ungezwungene und manchmal auch Chaotische. Denn wenn wir ständig versuchen, jede Bewegung exakt „richtig“ auszuführen, kann ebenfalls etwas verloren gehen. Genau hier treffen sich für mich Physiotherapie und Yoga auf eine interessante Weise. Anatomisches Wissen kann Orientierung geben. Aber Anatomie sollte nicht zur nächsten starren Regel werden. Es geht nicht darum, eine perfekte Haltung zu erzeugen. Es geht darum, besser zu verstehen, was eine Haltung in diesem Körper gerade bewirkt. Kann man lernen, wieder auf den eigenen Körper zu hören? Das klingt zunächst einfach. Ist es aber oft nicht. Viele Menschen kommen in eine Yogastunde oder Therapie und erwarten eine klare Anweisung: Mach diese Übung. Halte sie so lange. Atme auf diese Weise. Das kann hilfreich sein. Gerade am Anfang brauchen wir Orientierung. Langfristig stellt sich allerdings eine andere Frage: Können wir lernen, selbst wahrzunehmen, was sich verändert? Caroline versucht deshalb in ihrem Unterricht, unterschiedliche Möglichkeiten anzubieten. Eine Übung kann verändert werden. Die Atmung kann angepasst werden. Manchmal besteht die Einladung einfach darin, dem eigenen Atem zu folgen, anstatt einer äußeren Vorgabe. Damit verändert sich die Rolle einer Übung. Sie ist nicht mehr etwas, das wir möglichst korrekt erfüllen müssen. Sie wird zu einer Möglichkeit, etwas über uns selbst zu erfahren. Becken, Bauch, Herz und Kopf: die „Happy Inner Family“ Für diese Verbindung von Körperwahrnehmung und innerem Erleben verwendet Caroline ein schönes Bild: die „Happy Inner Family“. Sie unterscheidet dabei vier Bereiche: Becken, Bauch, Herz und Kopf. Die Idee dahinter ist nicht, einen dieser Bereiche über die anderen zu stellen. Vielmehr geht es darum, jedem zunächst Aufmerksamkeit zu schenken und anschließend wieder wahrzunehmen, dass alle vier zu einem Ganzen gehören. Dabei verbindet Caroline unterschiedliche Zugänge. Körperliche Arbeit aus Physiotherapie und Faszientherapie steht neben Übungen aus dem Kundalini-Yoga sowie meditativen und energetischen Elementen. Auch hier geht es also nicht um ein Entweder-oder. Nicht Kopf oder Bauch. Nicht Anatomie oder Energie. Nicht Struktur oder Intuition. Sondern darum, diese unterschiedlichen Ebenen wieder miteinander in Kontakt zu bringen. Der Körper ist mehr als der Ort einer Übung Wie wichtig dieser umfassendere Blick sein kann, zeigt auch Carolines eigene Geschichte. Bereits als Jugendliche hatte sie unter Reizdarmbeschwerden gelitten, später kamen unter anderem chronische Blasenentzündungen und Rückenschmerzen hinzu. Über einen Ratgeber kam sie damals überhaupt erst zum Yoga. Yoga wurde für sie ein wichtiger Teil ihres Weges. Sie beschreibt unter anderem, dass ihre Rückenschmerzen besser wurden und die Praxis ihr beim Umgang mit körperlichen Spannungen und ihrem Nervensystem half. Aber Yoga war nicht die einzige Antwort. Sie beschäftigte sich intensiv mit ihrer Ernährung, beobachtete ihre Reaktionen und führte unter anderem ein Tagebuch zu ihren Darmbeschwerden. Zusätzlich nahm sie Verhaltenstherapie in Anspruch, um auch den inneren Druck und andere persönliche Zusammenhänge anzuschauen. Ich finde diese Differenzierung wichtig. Gerade wenn wir von Yoga und Gesundheit sprechen, entsteht schnell der Eindruck, eine bestimmte Praxis müsse nur konsequent genug durchgeführt werden und könne dann alle Probleme lösen. So einfach ist es meistens nicht. Manchmal brauchen wir Bewegung. Manchmal medizinische oder therapeutische Unterstützung. Manchmal müssen wir unsere Gewohnheiten betrachten. Und manchmal müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, warum wir überhaupt so viel Druck auf uns ausüben. Vielleicht ist die eigentliche Praxis das Wahrnehmen Aus meinem Gespräch mit Caroline bleibt deshalb für mich weniger eine bestimmte Technik als eine Haltung. Yoga darf Struktur haben. Es darf intensiv sein. Es darf uns herausfordern. Aber die entscheidende Frage ist nicht, wie lange wir eine Position halten oder wie konsequent wir einer Tradition folgen. Entscheidend ist, ob wir dabei noch wahrnehmen können, was gerade passiert. Denn Selbstverantwortung bedeutet nicht, alles alleine wissen zu müssen. Sie bedeutet vielleicht vielmehr, die eigenen Signale wieder ernst zu nehmen, Fragen zu stellen und eine Praxis an den Menschen anzupassen, statt den Menschen an die Praxis. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du dich für die Yogatherapie interessierst, dann sind vielleicht meine Yogatherapie Grundlagen der ideale Einstieg.
- Ayurveda und Yogatherapie bei Erschöpfung
Vor einigen Jahren wurde im Ayurveda vor allem über Verdauung, Ernährung oder die verschiedenen Doshas gesprochen. Heute rückt ein anderes Thema immer stärker in den Mittelpunkt: chronische Erschöpfung. Vielleicht kennst du das auch aus deinem Umfeld oder sogar von dir selbst. Menschen schlafen ausreichend, ernähren sich bewusst und bewegen sich regelmäßig. Trotzdem fühlen sie sich dauerhaft müde, unkonzentriert oder innerlich getrieben. Die Ursachen dafür sind oft komplex und lassen sich nicht auf einen einzelnen Laborwert oder eine Diagnose reduzieren. Genau darüber habe ich mit der Ärztin, Ayurvedamedizinerin und Yogatherapeutin Dr. med. Wiebke Mohme gesprochen. In unserem Gespräch wird deutlich, warum es sich lohnt, Erschöpfung nicht nur als Symptom zu betrachten, sondern den Menschen als Ganzes in den Blick zu nehmen. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Erschöpfung beginnt oft lange vor dem Burnout Viele verbinden Burnout mit einem plötzlichen Zusammenbruch. In der Praxis entwickelt sich dieser Zustand jedoch häufig über einen längeren Zeitraum. Dr. Wiebke Mohme beschreibt einen einfachen, aber wichtigen Hinweis, auf den sie in ihrer Praxis besonders achtet: Wie geht es einem Menschen morgens nach dem Aufstehen? Und wie fühlt er sich nach einer Pause oder einem freien Wochenende? Kann sich der Körper in diesen Ruhephasen noch erholen, oder bleibt die Erschöpfung bestehen? Genau diese Fragen können erste Hinweise darauf geben, dass die eigenen Regenerationsmechanismen nicht mehr ausreichend greifen. Ayurveda fragt nicht zuerst nach der Diagnose Die moderne Medizin sucht verständlicherweise nach einer möglichst präzisen Diagnose. Ayurveda stellt zunächst eine andere Frage: Was braucht dieser Mensch im Moment? Dabei spielen die bekannten Konstitutionstypen – Vata, Pitta und Kapha – eine wichtige Rolle. Sie beschreiben jedoch keine Schubladen, in die Menschen eingeordnet werden. Vielmehr helfen sie dabei, individuelle Muster zu erkennen und therapeutische Entscheidungen besser an die jeweilige Person anzupassen. Genau deshalb gibt es aus ayurvedischer Sicht auch keine allgemeingültige Yogapraxis für Erschöpfung. Was einer Person guttut, kann für eine andere zu viel sein. Yoga wird dann therapeutisch, wenn es individuell wird Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch unser Gespräch. Yoga ist nicht allein deshalb therapeutisch, weil Asanas oder Atemübungen praktiziert werden. Entscheidend ist vielmehr, ob sie zur aktuellen Situation des Menschen passen. Dr. Wiebke Mohme beschreibt, dass sie ihre Empfehlungen immer an die individuelle Konstitution und den aktuellen Zustand ihrer Patientinnen und Patienten anpasst. Das betrifft nicht nur die Auswahl der Asanas, sondern ebenso Atemtechniken, Entspannungsverfahren und den Umgang mit Belastung im Alltag. Gerade bei chronischer Erschöpfung oder auch bei ADHS können Atemübungen sehr hilfreich sein. Allerdings gilt auch hier: Nicht jede Pranayama-Technik ist für jede Person und jede Situation gleichermaßen geeignet. Entscheidend ist die sorgfältige Auswahl. Ayurveda und Schulmedizin schließen sich nicht aus Ein besonders spannender Aspekt unseres Gesprächs ist der berufliche Weg von Dr. Wiebke Mohme. Als Allgemeinmedizinerin hat sie viele Jahre in einer kassenärztlichen Praxis gearbeitet. Mit der Zeit wurde ihr jedoch immer deutlicher, dass die Kombination aus Schulmedizin, Ayurveda und Yogatherapie im engen Praxisalltag nur schwer umzusetzen ist. Heute arbeitet sie ausschließlich privatärztlich und verbindet diese verschiedenen Perspektiven bewusst miteinander. Dabei geht es nicht darum, eine medizinische Richtung gegen eine andere auszuspielen. Im Gegenteil. Die Schulmedizin liefert wichtige diagnostische Grundlagen. Ayurveda erweitert den Blick auf den Menschen und seine individuellen Ressourcen. Yogatherapie bietet schließlich praktische Möglichkeiten, dieses Wissen in den Alltag zu übertragen. Gerade diese Verbindung macht das Gespräch so interessant. Was wir aus diesem Gespräch mitnehmen können Chronische Erschöpfung ist selten nur die Folge von zu viel Arbeit oder zu wenig Schlaf. Häufig spielen viele Faktoren zusammen: Belastung, Regeneration, Lebensstil, Atmung, Bewegung und die individuelle Konstitution. Deshalb lohnt es sich, nicht vorschnell nach der einen Methode oder der einen Übung zu suchen. Vielleicht ist zunächst eine andere Frage hilfreicher: Was braucht mein Körper gerade wirklich? Genau diese Haltung verbindet moderne Medizin, Ayurveda und Yogatherapie auf eine sehr überzeugende Weise. Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen und individuelle Lösungen zu finden, statt sich auf allgemeine Empfehlungen zu verlassen. Wenn dich diese Fragen interessieren und du erfahren möchtest, wie Dr. med. Wiebke Mohme chronische Erschöpfung, Burnout, ADHS und die Bedeutung der Doshas in ihrer täglichen Praxis einordnet, dann höre unbedingt in diese Podcastfolge von Yogatherapie bewegt hinein. Dort spricht sie ausführlich darüber, wie sich unterschiedliche medizinische Perspektiven sinnvoll ergänzen können und warum der Mensch immer wichtiger ist als die Methode. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du mehr zu Wiebke erfahren möchtest: https://ayurmed-yoga.de/ Kennst du meinen kostenloser Newsletter? Jetzt anmelden
- Yoga verändert sich und das ist vielleicht das Beste daran
Vielleicht kennst du das. Du beginnst mit Yoga, weil dein Körper schmerzt. Oder weil du beweglicher werden möchtest. Mit der Zeit werden die Bewegungen leichter, die Praxis intensiver und das Verständnis wächst. Doch irgendwann verändert sich etwas. Nicht unbedingt dein Körper. Sondern dein Blick auf Yoga. Genau darüber habe ich mit Axel Dinse gesprochen, einem der ersten Ashtanga-Yogalehrer Österreichs und einem Menschen, der den Aufbau der Yogaszene im deutschsprachigen Raum von Beginn an mitgestaltet hat. Sein Weg zeigt, dass eine gute Yogapraxis nicht dadurch entsteht, dass wir immer mehr erreichen. Sondern dadurch, dass wir lernen, genauer hinzusehen. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Als Yoga noch Pionierarbeit war Heute gibt es Yogastudios an fast jeder Ecke. Vor mehr als 30 Jahren war das anders. Wer Ashtanga Yoga lernen wollte, musste improvisieren. Workshops im Ausland, Fotos aus Büchern und gemeinsames Ausprobieren waren oft die einzigen Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen. Aus dieser Begeisterung entstand schließlich eines der ersten Ashtanga-Studios in Wien. Rückblickend beschreibt Axel diese Zeit als experimentell. Nicht alles war wissenschaftlich fundiert. Vieles entstand aus Erfahrung. Und genau deshalb ist es spannend zu sehen, wie sich sein Verständnis im Laufe der Jahre verändert hat. Erfahrung verändert den Unterricht Wer viele Menschen unterrichtet, lernt nicht nur etwas über sie. Man lernt auch etwas über sich selbst. Axel erzählt, dass ihn besonders die manuellen Hilfestellungen fasziniert haben. Er merkte, wie kleine, gezielte Berührungen Menschen helfen konnten, eine Bewegung besser zu verstehen. Gleichzeitig erkannte er aber auch die Grenzen dieser Methode. Heute unterscheidet er sehr klar zwischen zwei Arten von Hilfestellungen. Es gibt sanfte Impulse, die Orientierung geben und das Körpergefühl unterstützen. Und es gibt Korrekturen, die den Körper in Positionen bringen sollen, für die er vielleicht noch gar nicht bereit ist. Genau hier beginnt aus meiner Sicht therapeutisches Denken. Nicht die Frage, wie eine Asana aussehen sollte, steht im Mittelpunkt. Sondern die Frage, was dieser Mensch in diesem Moment wirklich braucht. Anatomische Grenzen sind keine Schwäche Viele Menschen verbinden Yoga mit dem Gedanken, die eigenen Grenzen zu erweitern. Das kann durchaus sinnvoll sein. Allerdings bedeutet Entwicklung nicht, anatomische Grenzen zu ignorieren. Axel spricht im Gespräch sehr offen darüber, dass er sich selbst verletzt hat. Nicht, weil Yoga grundsätzlich gefährlich wäre, sondern weil er – geprägt durch seine Vergangenheit als Leistungssportler – immer wieder über seine körperlichen Möglichkeiten hinausging. Auch manche manuelle Korrekturen, die damals üblich waren, betrachtet er heute deutlich kritischer. Diese Offenheit finde ich bemerkenswert. Sie zeigt, dass Erfahrung oft bedeutet, lieb gewonnene Überzeugungen zu hinterfragen. Mehr ist nicht immer besser Ein weiterer Gedanke aus unserem Gespräch hat mich besonders beschäftigt. Nach vielen Jahren intensiver Asana-Praxis begann Axel wieder mit Ausdauersport. Dadurch wurde er nach eigener Aussage zwar etwas weniger beweglich, fühlte sich insgesamt aber stabiler und wohler. Er beschreibt, dass ihn die ausschließliche Konzentration auf Asanas körperlich nicht dauerhaft ausgeglichen gemacht hat. Erst die Kombination verschiedener Bewegungsformen brachte für ihn mehr Balance. Das bedeutet allerdings nicht, dass Yoga nicht ausreicht. Es zeigt vielmehr, dass Bewegung individuell ist. Je nach Lebensphase, Ziel und körperlichen Voraussetzungen kann etwas anderes sinnvoll werden. Yoga darf sich mit dir weiterentwickeln Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus diesem Gespräch. Yoga ist kein starres System. Es ist eine Praxis, die sich gemeinsam mit uns verändern darf. Mit mehr Erfahrung verändern sich die Fragen. Aus „Wie komme ich tiefer in die Haltung?“ wird vielleicht „Welche Bewegung tut meinem Körper heute wirklich gut?“ Und genau diese Frage führt häufig zu nachhaltigeren Entscheidungen als der Versuch, immer weiter an Grenzen zu gehen. Wenn dich diese Gedanken interessieren und du mehr über die Entwicklung des Yoga, anatomische Grenzen und die Erfahrungen von Axel Dinse erfahren möchtest, dann hör dir die vollständige Podcastfolge an. Ich bin sicher, dass du viele Anregungen für deine eigene Praxis und vielleicht auch für deinen Unterricht mitnehmen wirst. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du mehr zu Axel erfahren möchtest: https://www.urbanhealthconcept.com/ Wenn du dich für die Yogatherapie interessierst, dann sind vielleicht meine Yogatherapie Grundlagen der ideale Einstieg.
- Erwartung vs. Realität
Yogatherapie im Praxis-Alltag Viele Yogalehrer kennen dieses Gefühl: Man unterrichtet mit Freude, die Stunden laufen gut und die Teilnehmer sind zufrieden. Doch sobald jemand über Rückenschmerzen, eine Knieoperation oder eine Schulterbeschwerde spricht, tauchen plötzlich Fragen auf. Welche Asana ist jetzt sinnvoll? Muss ich etwas anpassen? Sollte diese Position überhaupt ausgeführt werden? Genau aus diesem Grund hat sich Andrea aus Leipzig nach ihrer Yogalehrerausbildung für die Online-Yogatherapie-Ausbildung entschieden. Im Gespräch mit mir erzählt sie, dass sie sich vor allem eines gewünscht hat: „Ich wollte meine anatomischen Kenntnisse ausbauen und meinen Yogis eine bessere Anleitung geben. Nicht, um ihnen alles zu erklären, sondern damit ich selbst wirklich verstehe, was im Körper passiert.“ Heute befindet sich Andrea im achten von zwölf Ausbildungsmonaten. Besonders spannend finde ich, dass sie nicht bis zum Abschluss gewartet hat, um das Gelernte anzuwenden. Schon nach wenigen Monaten hat sie begonnen, neue Übungen in ihren Unterricht einzubauen. Anfangs ganz bewusst, ohne ihren Teilnehmern überhaupt von der Ausbildung zu erzählen. Erst später fragte sie jemand: „Daher kommen also die neuen Übungen.“ Für mich zeigt das etwas sehr Wichtiges. Eine gute Ausbildung verändert nicht erst das Zertifikat am Ende. Sie verändert den Blick auf Bewegung. Andrea beschreibt das sehr schön: „Der Blick ist geschärfter geworden. Selbst wenn ich einen Jogger auf der Straße sehe, fallen mir plötzlich die Füße oder die Beinachse auf.“ Ich nenne das gerne die Yogatherapie-Brille. Man beginnt Zusammenhänge zu erkennen, die vorher verborgen geblieben sind. Plötzlich sieht man, warum manche Menschen mehr Stabilität brauchen, andere mehr Mobilität. Warum Beschwerden oft nicht dort entstehen, wo sie spürbar sind. Und warum kleine Anpassungen im Yoga manchmal einen großen Unterschied machen können. Genau dieses Verständnis ist für mich der eigentliche Kern der Yogatherapie. Es geht nicht darum, möglichst viele Übungen zu kennen. Es geht darum, zu verstehen, warum eine Übung sinnvoll ist und für wen. Wenn du mehr über die Online Yogatherapie Ausbildung lernen möchtest, dann lies gerne hier weiter.
- Wann Yoga wirklich therapeutisch wirkt
Yoga kann viel bewirken. Es kann Beweglichkeit schenken, Kraft aufbauen, den Atem beruhigen, Schmerzen lindern und Menschen dabei helfen, ihren Körper wieder besser wahrzunehmen. Genau deshalb wird oft gesagt: Yoga ist therapeutisch. Und ja, grundsätzlich stimmt das. Aber es gibt einen wichtigen Zusatz: Yoga wirkt nicht automatisch bei jedem Menschen auf die gleiche Weise. Eine Übung, die für eine Person sehr hilfreich ist, kann für eine andere wenig bringen oder sogar Beschwerden verstärken. Genau hier beginnt Yogatherapie. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Lerne jetzt die Grundlagen der Yogatherapie: https://peterpoeckh.short.gy/grundlagen Oder du steigst gleich ein, in die große Ausbildung und sicherst dir 25 % Rabatt: https://peterpoeckh.short.gy/Yogatherapie Was unterscheidet Yogatherapie von klassischem Yoga? Viele Yogarichtungen stammen aus bestimmten Traditionen. Hatha Yoga, Ashtanga Yoga, Iyengar Yoga oder andere Stile wurden oft durch einzelne Lehrer geprägt und über Schulen weitergegeben. Yogatherapie ist anders. Sie ist nicht in erster Linie ein eigener Stil, sondern ein individueller Zugang. Einer der wichtigen historischen Impulse kommt von Krishnamacharya, der besonders in späteren Lebensjahren therapeutischen Einzelunterricht mit Yogatechniken gegeben hat. Der Kern dabei ist nicht: „Diese Übung ist gut.“ Sondern eher: Wann ist welche Übung für welchen Menschen sinnvoll? Das klingt einfach, verändert aber die gesamte Praxis. Denn in einer Yogaklasse stehen nie zehn identische Körper. Menschen bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit: Alter, Geschlecht, Beweglichkeit, Kraft, Schmerzen, Alltag, Sportgeschichte, Verletzungen, Gewohnheiten und genetische Veranlagung. Yogatherapie schaut genau hin. Warum nicht jede Beweglichkeit ein Ziel ist Im Yoga wird Beweglichkeit oft sehr hoch bewertet. Wer tiefer in die Vorbeuge kommt, wer den Fuß leichter hinter den Kopf bringt oder scheinbar mühelos in anspruchsvolle Asanas gleitet, wirkt auf den ersten Blick „weiter“. Aus therapeutischer Sicht ist das aber nicht immer richtig. Denn Beweglichkeit allein sagt noch nicht, ob ein Körper gut funktioniert. Wichtig ist die Frage: Kann ich eine Bewegung aktiv kontrollieren? Hier hilft die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Beweglichkeit. Aktive Beweglichkeit bedeutet: Ich kann eine Bewegung aus eigener Kraft ausführen und halten. Passive Beweglichkeit bedeutet: Ich komme durch äußere Hilfe tiefer in eine Position. Das kann durch ein Adjustment passieren, durch Gurte, Blöcke, Stühle, Wärme oder durch das Körpergewicht. Hilfsmittel können sehr sinnvoll sein. Aber wenn der Abstand zwischen passiver und aktiver Beweglichkeit zu groß wird, fehlt oft die Kontrolle. Dann steigt das Risiko, dass ein Gelenk überfordert wird. Gerade im Yoga ist das wichtig, weil viele Menschen sehr beweglich sind, aber nicht genug Kraft und Stabilität haben, um diese Beweglichkeit sicher zu führen. Hypermobilität: Wenn zu viel Beweglichkeit zum Problem wird Ein überbewegliches Gelenk muss nicht sofort weh tun. Im Gegenteil: Viele Menschen empfinden es zunächst sogar als Vorteil. Sie kommen leicht in tiefe Dehnungen, fühlen sich beweglich und haben lange keine Beschwerden. Das Problem entsteht häufig erst später, wenn die Stabilität fehlt. Dann kann aus Hypermobilität eine funktionelle Instabilität werden. Das bedeutet: Ein Gelenk bewegt sich zwar viel, wird aber nicht ausreichend kontrolliert. Häufige Beispiele sind ein starkes Hohlkreuz in der Lendenwirbelsäule oder das Durchdrücken der Knie im Stand. Deshalb braucht ein beweglicher Körper oft nicht noch mehr Dehnung, sondern mehr Kraft, Stabilität und Gelenkkontrolle. Wann Dehnung sinnvoll ist Dehnung ist nicht schlecht. Ganz im Gegenteil. Sie kann sehr hilfreich sein, wenn ein Muskel oder eine Muskelgruppe deutlich unter Spannung steht, verkürzt ist oder wenn eine Seite viel unbeweglicher ist als die andere. Ein klassisches Beispiel ist die Beinrückseite in der Vorbeuge. Wenn du dort eine angenehme Dehnung spürst, kann das sinnvoll sein. Wichtig ist aber, dass es bei einem klar wahrnehmbaren, noch angenehmen Dehnungsgefühl bleibt. Es geht nicht darum, Schmerz auszuhalten. Besser wäre sogar, nicht vom „Dehnungsschmerz“ zu sprechen, sondern vom Dehnungsgefühl. Sobald aus diesem Gefühl ein stechender, brennender, einschießender oder entzündlicher Schmerz wird, ist Vorsicht geboten. Dann ist die Übung in dieser Form nicht passend. Schmerz ist nicht gleich Schmerz Ein zentraler Punkt der Yogatherapie ist der Umgang mit Schmerz. Ein angenehmes Dehnungsgefühl in einem Muskel ist etwas anderes als ein Schmerz im Gelenk, ein Nervenschmerz, ein brennendes Gefühl oder ein entzündlicher Schmerz. Bei entzündlichen Schmerzen sollte die betroffene Region nicht weiter belastet werden. Hier braucht der Körper zuerst Zeit, damit die Entzündung abklingen kann. Auch bei einschießenden, brennenden oder unklaren Schmerzen ist es sinnvoll, diese Beschwerden medizinisch abklären zu lassen. Yogatherapie bedeutet nicht, sich durch Schmerzen hindurchzuarbeiten. Sie bedeutet, Bewegungen so auszuwählen, dass sie den Körper unterstützen. Wann Kräftigung wichtig wird Viele Beschwerden entstehen nicht durch zu wenig Beweglichkeit, sondern durch fehlende Stabilität. Das sehen wir häufig bei Rückenbeschwerden, Knieproblemen, Hüftthemen oder Schulterschmerzen. Kräftigung ist besonders wichtig in schmerzfreien Phasen oder in Bereichen, die zu wenig aktiv sind. Wenn ein Bereich aber gerade stark schmerzt und unter hoher Spannung steht, kann zusätzliches Krafttraining die Spannung manchmal noch verstärken. Dann braucht es zuerst Entlastung, Mobilisation oder sanfte Dehnung. Ein therapeutischer Ansatz fragt deshalb immer: Was braucht dieser Körper gerade? Mehr Beweglichkeit? Mehr Kraft? Mehr Stabilität? Mehr Kontrolle? Oder zuerst weniger Spannung? Anatomie muss nicht kompliziert sein Viele Menschen schrecken vor Anatomie zurück, weil sie glauben, sie müssten hunderte Muskeln, lateinische Namen, Ursprünge und Ansätze auswendig lernen. Für eine sinnvolle Yogapraxis geht es aber um etwas anderes. Es geht darum, Bewegungen zu verstehen. Was passiert in einer Vorbeuge?Welche Strukturen werden gedehnt? Welche Gelenke brauchen Kontrolle? Wo entsteht Ausweichbewegung? Wann ist eine Rückbeuge wirklich eine Rückbeuge der Brustwirbelsäule und wann weicht jemand nur in die Lendenwirbelsäule aus? Wenn wir diese Zusammenhänge verstehen, wird Yoga klarer, sicherer und individueller. Die therapeutische Wirkung entsteht durch die passende Auswahl Yoga kann therapeutisch wirken. Aber die therapeutische Wirkung entsteht nicht allein dadurch, dass eine Übung aus dem Yoga kommt. Sie entsteht, wenn eine Übung passend ausgewählt, gut dosiert und an den Menschen angepasst wird. Das ist in einer Gruppenstunde nicht immer vollständig möglich. Trotzdem können auch Gruppenstunden therapeutisch sinnvoll gestaltet werden, wenn sie gut aufgebaut sind und anatomische Grundprinzipien berücksichtigen. Bei ausgeprägten Beschwerden braucht es aber oft den individuellen Blick. Dann geht es darum, eine passende Asana-, Atem- und eventuell Meditationspraxis für diese Person zu finden. Genau das ist Yogatherapie. Sthira Sukham Asanam: Festigkeit und Leichtigkeit Ein schöner Gedanke aus den Yoga-Sutren von Patanjali beschreibt, dass ein Asana sowohl Stabilität als auch Leichtigkeit haben soll. Anatomisch betrachtet passt das sehr gut. Ein Asana braucht Spannung und Entspannung. Kraft und Dehnung. Kontrolle und Loslassen. Wenn eine dieser Qualitäten fehlt, wird die Praxis einseitig. Zu viel Dehnung ohne Stabilität kann den Körper überfordern. Zu viel Kraft ohne Entspannung kann Spannung und Schmerz verstärken. Yogatherapie sucht die Balance. Fazit Yogatherapie bedeutet nicht, dass es nur bestimmte „therapeutische Übungen“ gibt. Sie bedeutet, Yoga individuell zu verstehen. Nicht jede Person braucht mehr Dehnung. Nicht jede Person braucht mehr Kraft. Nicht jeder Schmerz ist harmlos. Und nicht jede Bewegung ist automatisch sinnvoll, nur weil sie in einer Yogastunde vorkommt. Wenn wir lernen, den Körper besser zu lesen, wird Yoga präziser, sicherer und wirksamer. Dann kann eine Praxis entstehen, die nicht nur auf der Matte gut aussieht, sondern den Menschen im Alltag wirklich unterstützt. Wenn du diese Zusammenhänge besser verstehen möchtest, ist das Modul Yogatherapie Grundlagen ein guter Einstieg. Dort werden wichtige Asanas, Bewegungsmuster und anatomische Zusammenhänge verständlich erklärt und direkt mit der Praxis verbunden. Für alle, die tiefer in die therapeutische Arbeit mit Yoga einsteigen möchten, gibt es außerdem die große Yogatherapie-Ausbildung. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn dir die Folge gefällt, freue ich mich sehr über eine Bewertung, dein Feedback oder deine Fragen.
- Warum Yoga oft besser wirkt als die nächste Spritze
Orthopädie, Schmerzmedizin und Yogatherapie mit Dr. Judith Schaefer „Der Schmerz ist oft nicht nur körperlich.“ Dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch mit Dr. med. Judith Schaefer. Die Orthopädin, Schmerzmedizinerin und Yogalehrerin hat viele Jahre in der klassischen Medizin gearbeitet, operiert und konservativ behandelt. Heute verbindet sie ihr medizinisches Wissen mit den Möglichkeiten der Yogatherapie und betrachtet Beschwerden aus einer deutlich umfassenderen Perspektive. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du in deinem Unterricht sprachlich präziser richtig werden möchtest, sieh dir gerne meinen kostenlosen Guide "Sag es richtig" an. Vom Mountainbike auf die Yogamatte Zum Yoga kam Judith Schaefer ursprünglich nicht wegen spiritueller Interessen oder gesundheitlicher Probleme. Sie war sportlich aktiv, fuhr Mountainbike, kletterte und wanderte regelmäßig. Trotzdem stellte sie irgendwann fest, dass ihr Körper in manchen Bereichen überraschend unbeweglich geworden war. Die erste intensive Yogastunde brachte einen Muskelkater mit sich, den sie so nicht erwartet hatte. „Da habe ich Feuer gefangen.“ Was als körperliche Herausforderung begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer neuen Sichtweise auf Bewegung, Gesundheit und Schmerz. Warum Sitzen eines unserer größten Probleme ist Ein zentrales Thema des Gesprächs ist unser moderner Lebensstil. Judith beobachtet täglich, dass viele Beschwerden nicht durch zu viel Bewegung entstehen, sondern durch zu wenig abwechslungsreiche Bewegung. „Wir haben einen Bewegungsapparat und keinen Sitzapparat.“ Besonders Rückenschmerzen, Nackenverspannungen und Haltungsthemen stehen oft in direktem Zusammenhang mit stundenlangem Sitzen. Dabei geht es nicht darum, permanent kerzengerade sitzen zu müssen. Viel wichtiger ist der regelmäßige Wechsel zwischen verschiedenen Positionen, Bewegung und bewusster Aufrichtung. Warum chronische Schmerzen anders behandelt werden müssen Einen besonders spannenden Einblick gibt Judith in ihre Arbeit mit chronischen Schmerzpatienten. Während akuter Schmerz eine wichtige Warnfunktion erfüllt, verändert sich bei chronischen Schmerzen häufig das gesamte System. Neben den körperlichen Ursachen spielen plötzlich weitere Faktoren eine Rolle: Angst Frustration Hilflosigkeit sozialer Rückzug depressive Verstimmungen Stress Diese Faktoren verstärken sich oft gegenseitig. Der Schmerz wird zu einer Spirale, aus der Betroffene alleine nur schwer herausfinden. Die erstaunliche Wirkung einfacher Yogaübungen Besonders berührend sind die Beispiele aus ihrer Arbeit. Eine Patientin mit chronischen Nackenschmerzen lernte durch eine einfache Übung erstmals wieder den Unterschied zwischen Spannung und Entspannung bewusst wahrzunehmen. Eine andere Patientin sagte nach einer Yogastunde: „Jetzt erlaubt mir endlich jemand, loszulassen.“ Ein weiterer Patient mit langjährigen Rückenschmerzen spürte nach einer einfachen Kriegerhaltung zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Kraft und Energie in seinem Körper. Nicht komplizierte Übungen machten hier den Unterschied. Sondern Wahrnehmung. Bewusstheit vor Bewegung Für Judith beginnt Veränderung nicht bei der perfekten Asana. Sie beginnt beim Spüren. Wie fühlt sich eine Bewegung an? Wo entsteht Spannung? Wo entsteht Leichtigkeit? Wie verändert sich mein Körper nach einer Übung? Viele Menschen haben den Zugang zu diesen feinen Signalen verloren. Genau hier setzt Yogatherapie an. Nicht mit Leistungsdruck. Nicht mit „höher, schneller, weiter“. Sondern mit Aufmerksamkeit. Können Yogahaltungen auch Beschwerden verursachen? Ja. Auch darüber sprechen wir offen. Vor allem ehrgeizige und sehr bewegliche Yogapraktizierende geraten manchmal in eine Falle. Zu intensive Rückbeugen, übertriebene Beweglichkeit oder dauerhaftes Arbeiten an den Grenzen des Körpers können Beschwerden fördern. Besonders häufig beobachtet Judith: Schmerzen im unteren Rücken Überlastungen der kleinen Wirbelgelenke Beschwerden an den Hamstring-Ansätzen Schulterprobleme durch mangelnde Stabilität Die Lösung liegt dabei meist nicht darin, Yoga aufzugeben. Sondern darin, die Praxis intelligenter anzupassen. Yoga als Brücke zwischen Medizin und Eigenverantwortung Was dieses Gespräch besonders macht, ist die Verbindung zweier Welten. Judith Schaefer denkt medizinisch präzise und gleichzeitig ganzheitlich. Sie zeigt, dass moderne Medizin und Yogatherapie keine Gegensätze sein müssen. Im Gegenteil. Gerade dort, wo Menschen lernen, ihren Körper wieder wahrzunehmen, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen und Bewegung bewusst einzusetzen, entstehen oft die nachhaltigsten Veränderungen. Mein persönliches Fazit Mich hat besonders beeindruckt, wie klar Judith zwischen Symptombehandlung und echter Veränderung unterscheidet. Viele Menschen suchen nach der einen Spritze, der einen Übung oder der einen Behandlung. Doch oft beginnt der Weg bereits viel früher: Mit dem bewussten Wahrnehmen des eigenen Körpers. Mit dem Verstehen von Zusammenhängen. Und mit der Bereitschaft, sich selbst wieder besser zuzuhören. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du mehr über Judith erfahren möchtest: https://www.judith-schaefer.de Mein kostenloser "Sag es Richtig"-Guide:https://peterpoeckh.short.gy/yoga-guide Wenn dir die Folge gefällt, freue ich mich sehr über eine Bewertung, dein Feedback oder deine Fragen.
- Schlaganfall mit 42
Wie Yoga Sabine Haag geholfen hat, neu ins Leben zu finden Sabine unterrichtet Yoga im wunderschönen Stift St. Florian in Oberösterreich. Wer ihr zuhört, spürt schnell Ruhe, Klarheit und eine besondere Form von Authentizität. Doch hinter dieser Ruhe steckt auch eine sehr persönliche Geschichte. Mit nur 42 Jahren erlitt Sabine einen Schlaganfall. Ein Ereignis, das ihr Leben komplett verändert hat. In unserem Gespräch erzählt sie offen, wie es dazu kam, warum die Zeit davor emotional extrem belastend war und wie Meditation und Yoga ihr geholfen haben, wieder Vertrauen in sich selbst und ihren Körper zu entwickeln. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du in deinem Unterricht sprachlich präziser richtig werden möchtest, sieh dir gerne meinen kostenlosen Guide "Sag es richtig" an. „Dann hat es mich einfach geschmissen.“ Besonders berührend ist die Offenheit, mit der Sabine über diese Phase spricht. Sie erzählt von schlaflosen Nächten, innerem Druck, Sorgen um ihre Kinder und einer großen Lebensentscheidung, die sie damals getroffen hatte. Der Körper zog irgendwann die Notbremse. „Und dann kannst du nicht schlafen und dann kannst du nicht essen … und dann hat es mich einfach geschmissen.“ Was viele überrascht:Der Schlaganfall zeigte sich bei ihr nicht durch klassische körperliche Lähmungen, sondern vor allem über Sprache und Konzentration. Wörter fehlten plötzlich. Englisch, das sie beruflich täglich verwendet hatte, war plötzlich nicht mehr selbstverständlich da. Gerade deshalb begann sie sich noch intensiver mit Meditation, mentaler Ruhe und den tieferen Ebenen des Yoga zu beschäftigen. Yoga beginnt nicht auf der Matte Sabine kam ursprünglich gar nicht über Asanas zum Yoga. Ihr erster Zugang war die Meditation. Die Suche nach innerer Ruhe. Die Verbindung zu sich selbst. Und genau dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Episode. Für Sabine bedeutet Yoga vor allem eines: „Verbindung.“ Die Verbindung zum eigenen Körper.Zur Atmung.Zu anderen Menschen.Und manchmal auch zu etwas Größerem, das sich schwer in Worte fassen lässt. Gerade in einer Zeit, in der Yoga oft nur auf Beweglichkeit oder äußere Formen reduziert wird, ist diese Sichtweise besonders spannend. Älterwerden als Privileg Ein weiteres großes Thema der Folge ist das Älterwerden. Sabine ist heuer 55 geworden und hat sich bewusst entschieden, ihre grauen Haare wachsen zu lassen. Eine Entscheidung, die viele Reaktionen ausgelöst hat. Während manche davor Angst haben oder hadern, sieht sie das heute anders: „Älterwerden ist ein Privileg.“ Wir sprechen darüber, warum viele Frauen mit dem Älterwerden kämpfen, wie sich die Yoga-Praxis im Laufe des Lebens verändert und warum Kraft, Beweglichkeit und mentale Stabilität immer wichtiger werden. Besonders schön finde ich ihren Zugang, dass Yoga sich an den Menschen anpassen darf und nicht umgekehrt. Yoga im Stift St. Florian Ein ganz besonderer Teil ihres Weges ist auch der Ort, an dem sie heute unterrichtet. Mitten im beeindruckenden Stift St. Florian hat sie ihr Yoga-Zuhause gefunden. Dort organisiert sie nicht nur regelmäßige Klassen, sondern auch Workshops, Konzerte und Yoga-Veranstaltungen. Man merkt im Gespräch sehr schnell, wie wichtig ihr Begegnung geworden ist. Nicht Leistung.Nicht Perfektion.Sondern echte Verbindung zwischen Menschen. Was wir aus dieser Folge mitnehmen können Diese Episode erinnert daran, dass Yoga weit mehr sein kann als nur Bewegung. Es kann ein Werkzeug sein, um: mit Krisen umzugehen Gedanken zu beruhigen den eigenen Körper wieder besser wahrzunehmen resilienter zu werden und bewusster durchs Leben zu gehen Und vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Punkte dieser Folge: Es geht nicht darum, perfekt zu sein.Sondern darum, immer wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du mehr über Sabine erfahren möchtest: https://www.yoga-ensemble.at/ Mein kostenloser "Sag es Richtig"-Guide:https://peterpoeckh.short.gy/yoga-guide Wenn dir die Folge gefällt, freue ich mich sehr über eine Bewertung, dein Feedback oder deine Fragen.
- Yoga ohne Ausweichen
Was wir über Emotionen wirklich lernen können „Es geht nicht darum, Gefühle zu vermeiden, sondern ehrlich mit ihnen umzugehen.“ In der aktuellen Folge von Yogatherapie bewegt spreche ich mit Moritz Ulrich über ein Thema, das im Yoga oft unterschätzt wird: den Umgang mit unangenehmen Emotionen. Denn während viele Yoga mit Ruhe, Entspannung und Ausgleich verbinden, zeigt dieses Gespräch eine andere Seite. Eine ehrlichere. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du in deinem Unterricht sprachlich präziser richtig werden möchtest, sieh dir gerne meinen kostenlosen Guide "Sag es richtig" an. Der Einstieg ins Yoga – ganz anders als erwartet Moritz kam schon sehr früh mit Yoga in Kontakt, allerdings nicht über die körperliche Praxis. Sein Zugang war zunächst philosophisch.Fragen nach Sinn, nach Bewusstsein und nach Dingen, die sich nicht sofort erklären lassen. Die Asanas kamen erst später. Und genau das prägt bis heute seinen Zugang. Yoga ist nicht immer angenehm Ein spannender Punkt im Gespräch ist die Rolle von Herausforderung im Yoga. Im Jivamukti Yoga wird bewusst mit Elementen gearbeitet, die viele nicht sofort mit Yoga verbinden: laute Musik intensive Praxis körperliche Anstrengung emotionale Reaktionen Warum? Weil genau das eine Vorbereitung auf den Alltag sein kann. Nicht in einer stillen, perfekten Umgebung ruhig zu bleiben, ist einfach, aber mitten im Leben, mit Reizen von außen, den eigenen Zustand zu halten, ist die eigentliche Herausforderung. Was ist Spiritual Bypassing? Ein zentraler Begriff im Gespräch ist Spiritual Bypassing. Gemeint ist damit, dass wir Spiritualität nutzen, um unangenehmen Gefühlen auszuweichen. Typische Beispiele sind: „Ich bin darüber schon hinaus“ „Das betrifft mich nicht mehr“ „Ich bin schon im höheren Bewusstsein“ Das Problem dabei ist nicht die Spiritualität selbst, sondern die Funktion, die sie übernimmt. Sie wird zu einer Art Schutzmechanismus. Anstatt sich mit Wut, Angst oder Zweifel auseinanderzusetzen, werden diese Gefühle „schön verpackt“ und zur Seite geschoben. Warum das langfristig nicht funktioniert Moritz beschreibt sehr klar, dass dieser Weg zwar kurzfristig angenehm sein kann, langfristig aber nicht weiterführt. Denn das, was nicht angeschaut wird, bleibt bestehen. Vielleicht ruhiger, vielleicht versteckter, aber es verschwindet nicht. Deshalb ist für ihn ein wichtiger Teil der Praxis: Hinsehen statt ausweichen. Der Umgang mit eigenen Emotionen Spannend ist auch, wie Moritz selbst damit umgeht. Er beschreibt sich als jemand, der Gefühle durchaus direkt zeigt.Aber gleichzeitig auch schnell wieder loslassen kann. Was ihm dabei hilft: Emotionen bewusst wahrnehmen sie durch den Körper durchlaufen lassen Situationen im Nachhinein reflektieren neue Reaktionen gedanklich durchspielen Ein Ansatz, der sehr praxisnah ist und zeigt, dass es nicht um „perfekte Gelassenheit“ geht, ondern um einen bewussten Umgang. Yoga als Weg – nicht als Ausrede Ein wichtiger Gedanke aus dem Gespräch: Yoga kann ein Werkzeug sein, um sich selbst besser zu verstehen. Oder eine Möglichkeit, sich selbst auszuweichen. Der Unterschied liegt in der Intention. Warum übe ich? Was möchte ich wirklich vermeiden oder erreichen? Diese Fragen sind oft entscheidender als die Praxis selbst. Mein Fazit Dieses Gespräch zeigt sehr deutlich, dass Yoga nicht nur aus ruhigen Momenten besteht. Sondern auch aus Reibung. Aus Emotionen. Und aus ehrlicher Auseinandersetzung. Vielleicht ist genau das der Teil, der oft fehlt. Nicht nur zur Ruhe kommen. Sondern auch lernen, mit dem Unangenehmen umzugehen. 🎧 Höre jetzt rein: Spotify | Apple Podcast | Amazon Music Wenn du mehr über Moritz erfahren möchtest: https://peaceyoga.de/ http://instagram.com/downdogberlin











