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Tantra Yoga ohne Mythen

  • Autorenbild: Dr. Peter Poeckh
    Dr. Peter Poeckh
  • 27. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Danja Lutz über Nervensystem, Energie und warum Tantra keine Massage ist


Es gibt Themen im Yoga, die sind sofort mit Bildern aufgeladen. Tantra ist so eines. Manche denken an Räucherstäbchen, manche an „Geheimwissen“, andere gleich an Sexualität oder Massage. Und genau deshalb wollte ich diese Folge machen.


Mein Gast ist Danja Lutz. Sie unterrichtet seit vielen Jahren Yoga, bildet im Bereich Tantra Yoga aus und beschäftigt sich aktuell intensiv mit körperorientierter Traumaarbeit, unter anderem über Somatic Experiencing. Ein Gespräch, das aufräumt, aber nicht belehrt. Sondern sortiert, einordnet und vor allem erklärt, wie Tantra Yoga in der Praxis wirklich aussieht.


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Wie Yoga bei Danja begonnen hat

Danja ist über ihre Schwangerschaft zum Yoga gekommen. Was sie damals sofort gepackt hat, war weniger das „Workout“, sondern die direkte Erfahrung: Energie verändert sich. Und zwar spürbar. Chakras, Vayus, energetische Anatomie. Nicht als Konzept im Kopf, sondern als Wahrnehmung im Körper. Tantra war dann für sie kein exotischer Zusatz, sondern der nächste logische Schritt, weil Tantra sich sehr stark damit beschäftigt, wie Energie geführt, verdichtet und bewusst erlebt werden kann.


Was prägende Erfahrungen im Körper hinterlassen

Wir sprechen in der Folge darüber, wie Erfahrungen, die in einem Moment zu groß waren, oft als „Reste“ im System bleiben. Danja verbindet das sehr schön mit klassischen Yogabegriffen wie Samskaras und Vasanas. Also mit Mustern, die sich in uns ablagern und unsere Reaktionen prägen, ohne dass wir es merken.


Wichtig ist dabei ihr Zugang: Es geht nicht darum, etwas zu erzwingen. Nicht darum, den Körper zu „provozieren“. Sondern darum, ein Setting zu schaffen, in dem Sicherheit entsteht. Wenn das Nervensystem Ruhe erlebt, kann es sein, dass sich Lösungen von selbst zeigen.


Typische körperliche Reaktionen im Yoga

Aus ihrer Unterrichtspraxis beschreibt Danja sehr konkrete Beispiele. Menschen, die in einer Haltung plötzlich instabil werden. Ein Bein beginnt zu zittern oder „zu scheppern“, obwohl die Person die Asana eigentlich kennt. Es können unwillkürliche Bewegungen auftauchen, die man nicht steuert. Und genau hier wird es spannend, weil viele dann versuchen, sofort wieder Kontrolle herzustellen. Danja sagt im Kern: Wenn es sicher ist und man gut begleitet ist, kann genau dieses Geschehen Teil eines Lösungsprozesses sein. Das gilt nicht nur für Praktizierende, sondern auch für Lehrende.


Was Yoga-Lehrende tun können, wenn so etwas in der Stunde passiert

Ein Punkt, den ich besonders gut fand: Danja empfiehlt, das nicht zu ignorieren. Nicht so zu tun, als wäre es „peinlich“ oder „komisch“. Sondern es integrierend anzusprechen, ähnlich wie man auch ein Knie-Thema oder eine Überforderung im Schulterbereich anspricht.

Ein paar ruhige Sätze können helfen:

  • dass unwillkürliche Reaktionen vorkommen dürfen

  • dass der Atem weich bleibt

  • dass niemand „funktionieren“ muss

  • dass man danach, wenn es passt, kurz sprechen kann

Und ja, es hilft, wenn man selbst schon mit dem Thema gearbeitet hat. Aber auch ohne Spezialausbildung kann man im ersten Schritt etwas sehr Einfaches tun: Präsenz, Ruhe, Sicherheit.


Warum Tantra manchmal „anders“ riecht

Ein sehr anschaulicher Teil im Gespräch: Danja erzählt, dass in tantrisch geprägten, stark energetisch ausgerichteten Settings manchmal ein ganz eigener Schweißgeruch entsteht. Nicht weil es Cardio wäre. Sondern weil es ein intensives, statisches, energetisches Arbeiten ist. Fenster beschlagen, obwohl es langsam ist. Viele sind darüber überrascht. Ihre Deutung: Ein Zeichen, dass im System wirklich etwas in Bewegung kommt.


Tantra ist nicht „Tantra Massage“

Dann kommen wir zum großen Missverständnis. Danja erklärt, wie Tantra historisch funktioniert hat: Tantra hat keinen Lebensbereich ausgeklammert, auch den Körper nicht. Sexualität wurde nicht moralisch ausgespart. Aber daraus wurde im Westen oft ein Kurzschluss: Tantra gleich Sexualität. Dazu kamen Einflüsse und „Übersetzungen“ aus dem frühen 20. Jahrhundert, wo Inhalte stark vereinfacht und westlich umgedeutet wurden.


Ihr Punkt ist klar: Selbst dort, wo Sexualität in manchen tantrischen Strömungen vorkommt, ist das ein winziger Teil, extrem vorbereitet und hat nichts mit „ich buche mir jetzt eine Erfahrung“ zu tun.


Was ist Tantra Yoga, wenn man es wirklich kurz sagt?

Danja beschreibt Tantra Yoga als eine Praxis, die Asanas nutzt, um Energie zu verdichten und Unbewusstes sichtbar zu machen. Dazu kommen Techniken, die sehr präzise eingesetzt werden, je nachdem, was auftaucht. Im Kern geht es um Auflösung von Mustern, um Beziehung, Emotionen, Alltag, Ehrlichkeit. Nicht abgehoben. Sondern ziemlich direkt.


Oder anders gesagt: Nicht nur auf der Matte „spirituell“ sein, sondern beim Müll runtertragen mit dem Nachbarn auch.


Die Essenz dieser Folge

Für mich ist diese Episode eine gute Einladung, Yoga wieder als das zu sehen, was es im besten Fall ist: Ein sicherer Raum, in dem wir lernen, mit dem zu sein, was da ist. Ohne sofort eine Geschichte draus machen zu müssen. Ohne schnelle Pflaster. Sondern mit Präsenz.


🎧 Die komplette Folge findest du überall, wo es Podcasts gibt.

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Wenn dir die Episode gefallen hat, freue ich mich über 5 Sterne und über deine Gedanken auf Social Media.


📍 Mehr zu Danja und ihren Kursen findest du hier: https://www.danjalutz.at/



 
 
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